PC Engine Mini

Als Nintendo im November 2016 erstmals das NES Classic Mini veröffentlichte, reichten die produzierten Stückzahlen der hohen Nachfrage nicht aus, so dass die Konsole in nahezu allen Geschäften vergriffen war. Ein Jahr später erschien dann das SNES Classic Mini.

Andere Konsolenhersteller sahen den großen Erfolg der Retrokonsolen und brachten ebenfalls Mini-Varianten heraus. Doch weder das Neo Geo, der C64 noch die PlayStation Classic kamen auch nur annähernd an den Verkaufszahlen der beiden Nintendo Konsolen heran. Die PlayStation Classic war ein Desaster und somit endete der große Boom der Minikonsolen nach nur 2 Jahren.

Doch zumindest Sega Japan wollte für Ihre damals erfolgreichste Konsole (die in den USA eine ernsthafte Konkurrenz zu Nintendo war) noch eine Miniaturausgabe herausbringen. Das Sega Mega Drive Mini erschien bereits letztes Jahr im Oktober für ca. 80 Euro. Obwohl an sich die Konsole von der Qualität und Auswahl der Spiele gut war, wurde sie kaum beachtet und erst kürzlich im Preis reduziert.

PC Engine Mini

Damit habe ich nun wirklich nicht mehr gerechnet: Sehr spät und nach einer langen Vorbestellzeit erschien am 19. März 2020 die PC-Engine Mini von Konami in drei Gehäusevarianten (PC Engine für Japan, Core Grafx für Europa und Turbo Grafx 16 für den amerikanischen Markt). Das ist vorerst die letzte Mini Konsole aus der 8- bzw. 16-Bit Generation gewesen.

Die PC Engine war eine Spielekonsole von NEC, die in Zusammenarbeit mit Hudson Soft am 30. Oktober 1987 in Japan erschien. Ein Jahr später folgte das CD-Rom2 als Hardwareerweiterung. NEC legte den Grundstein für das neue Speichermedium der nächsten Konsolengenerationen.

Die PC Engine zählt bis heute zu den besten Spielekonsolen und übertrifft in vielen Bereichen das Sega Mega Drive um längen. In späteren Spielen konnten bedeutend mehr Farben gleichzeitig dargestellt werden und der Chiptune Sound klingt angenehmer als die blechernen Töne beim Mega Drive. Ein Erfolg außerhalb Japans, als Turbo Grafx 16 in Amerika, war nur mäßig. In Europa wurde das Gerät nur Testweise mit einer Handvoll Spielen veröffentlicht. Nach dem gescheiterten Versuch mit der PC-FX als Nachfolger, verabschiedete sich NEC etwa Mitte bis Ende der 90er Jahre endgültig vom Konsolenmarkt.

Konami hat bei den Spielen eine gute Auswahl getroffen. Es befinden sich insgesamt 58 Spiele (darunter 34 japanische und 24 amerikanische), allerdings sind 5 davon in der jeweiligen Landesversion doppelt vorhanden. Mit insgesamt 53 verschiedenen Spielen plus 3 versteckten Bonustiteln ist die Auswahl deutlich größer als bei Sega und Nintendo.

Da die PC Engine hauptsächlich in Japan vertreten war, sind einige Spiele mit japanischen Bildschirmtext wegen der Sprachbarriere kaum spielbar. Durch die vielen unterschiedlichen Genres, meistes aus dem Bereich Shoot`em Ups, Action und Adventures, erhalten auch Nichtjapaner eine angemessene Gegenleistung. Das liegt vor allem an den Spielen Dracula X, Star Parodier, Soldier Blade, Lords of Thunder, Valkyrie oder Neutopia 1 & 2.

Liefersituation und Verfügbarkeit:
Die PC Engine Mini wird derzeit nur über Amazon Japan vertrieben. Aktuell ist hier die weiße japanische Variante sowie die Core Grafx und die amerikanische Turbo Grafx 16 bestellbar. Der Preis mit Zoll und Shipping beträgt etwa 120 Euro. Wer keine Kreditkarte besitzt, kann die Konsole über einen Zwischenhändler mit einem Aufpreis bestellen.

Ursprünglich war geplant, die Core Grafx für europäische Kunden auch in England, Frankreich und Italien zu vertreiben. Durch die aktuelle Covid-19 Situation und der geringen Nachfrage ist davon auszugehen, dass mit einer besseren Verfügbarkeit erst in den kommenden Monaten zu rechnen ist. Für Sammler im deutschsprachigen Raum ist ohnehin die japanische Variante die interessanteste.

Hardware und Zubehör

Konami hat für die Herstellung der Konsole die Firma Hori beauftragt. Die Software für die Emulation stammt von M2. Da das System in etwa dem Sega Mega Drive Mini entspricht, kann davon ausgegangen werden, dass in naher Zukunft weitere Spiele über einen inoffiziellen Hack hinzugefügt werden können. Das Gehäuse ist nur unwesentlich kleiner (ca. 2cm in Breite und Tiefe) als die Originalhardware.

Lieferumfang:
Wie bei allen anderen Mini-Konsolen befindet sich kein Netzteil im Lieferumfang. Man benötigt ein handelsübliches 5V USB Netzteil, laut Herstellerangaben allerdings mit 2 Ampere. Ansonsten ist noch jeweils ein USB- und HDMI Kabel, sowie ein Controller und die Bedienungsanleitung in der Verpackung mit dabei.

Controller:
Der Controller entspricht der ersten Version von 1987, unterscheidet sich aber optisch etwas vom Original (NEC Logo fehlt). Das Steuerkreuz empfinde ich bei dem Druckpunkten etwas härter. Die Kabellänge des Controllers ist bei 3 Meter sehr großzügig ausgefallen. Zusätzliche Controller mit Dauerfeuer bzw. Trigger Funktion sowie der Mehrspieleradapter sind ab Ende April lieferbar.

Menü:
Das Menü der PC Engine Mini finde ich als sehr gut gelungen. Da M2 bereits die Software für das Sega Mega Drive Mini entwickelt hatte, ist vieles davon identisch. Auch ist eine Menüführung in deutscher Sprache verfügbar.

Beim TG16 Umschaltpunkt (unten rechts) wechselt man zwischen beiden Ländersystemen, wo die Spiele zwischen PC Engine/Core Grafx (Japan) und Turbo Grafx 16 (USA) aufgeteilt sind. Mit Select + Run kommt man im Spiel zurück zum Menü. Hier kann u.a. der Fortschritt abgespeichert werden.

Kleiner Tipp: Hält man beim auswählen eines Spieletitels die Select-Taste gedrückt, können die Spiele Gradius und Fantasy Zone mit geänderten Farbpaletten gespielt werden. Bei Soldier Blade schaltet man hiermit die Caravan Stage frei. Außerdem können durch diesen Weg die CD Spiele mit den alten Systemkarten gebootet werden, um so die „Error“ Screens zu sehen. Setzt man den Cursor auf das Spiel Tokimeki Memorial und drückt zweimal hintereinander die Select-Taste, kann das Shmup Force Gear gespielt werden (3x Select für Twin Bee Returns).

Sehr nett gelungen ist auch die Simulation des CD Laufwerkgeräusches und wie die HuCards eingesteckt werden. Kenner der Konsole fällt dabei auf, das M2 für die HuCards das gleiche Artwork hergenommen hat wie für die Spielehülle und nicht wie im Original, wo sich die Aufdrucke der HuCard zum Cover unterscheiden (z.B. Neutopia).

Bilddarstellung:
Die PC Engine Mini gibt eine Auflösung von 720p aus. Die Spiele entsprechen der amerikanischen und japanischen Version und laufen auch bei der europäischen Core Grafx unverändert in 60 Hz ab.

Von den fünf Bilddarstellungs-Optionen bietet nur der dritte Modus (8:7) bei den meisten Spielen eine fehlerfreie Darstellung und entspricht (wie schon beim NES & SNES Mini) der Pixelgenauen Darstellung. Das Bild ist dadurch etwas schmaler, kann aber bei einigen Fernsehern wie z.B. den OLEDs von LG im Seitenverhältnis angepasst werden. Nur bei wenigen Spielen mit höherer Auflösung (Daimakaimura, Ninja Spirit und R-Type) gibt es keine Möglichkeit für besseres Scaling. Alle anderen Optionen verwenden eine einfache Pixelwiederholung, wo beim Scrolling unschöne Artefakte entstehen.

Der CRT Modus kann für alle Fernsehbildoptionen manuell dazugeschaltet werden. Leider ist der Filter mit dem Sega Mega Drive Mini identisch. Das Bild ist sehr unscharf, die Scanlines sind zu stark und treffen die Pixelzeilen nicht richtig. In der Praxis ist das Feature auch beim normalen Sitzabstand am TV unbrauchbar.

Zu guter Letzt gibt es noch als Gimmick den Turbo Express Modus, der die Qualität des damaligen Bildschirmes auf dem Handheld gut wiedergibt.

Emulation und Input-Lag:
Die Emulation der Spiele ist sehr gut gelungen. Der Input-Lag ist vergleichbar niedrig wie beim SNES Classic.

Musikausgabe:
Die Tonwiedergabe ist nahezu akkurat. Fehler wie beim NES Mini ( z.B. verzögerte Soundeffekte) oder nicht ganz gut klingende Chiptunes wie beim Mega Drive Mini sind nicht vorhanden.

Fazit:

Die PC Engine Mini gehört neben dem SNES Classic Mini zu den besten Mini-Retrokonsolen. Die Menüs und die Emulation ist gut gelungen und die Spieleauswahl ist ansprechend, auch wenn ein paar Klassiker wie z.B. Mr. Heli, Aio Blink oder Coryoon fehlen. Leider hat sich M2 bei den Bildoptionen wenig Mühe gegeben. Das SNES Classic Mini ist in diesem Punkt (1:3 Filter und Scanlines) eine deutliche Ecke besser. Ein wohlverdienter 2. Platz knapp hinter dem SNES Classic Mini.

Kaufempfehlung: 8/10

Bücher und Sammeln…

Die PC Engine ist unter den Sammlern und Liebhabern ein Geheimtipp. Die PCE Perfect Collection von Peter Wahsmuth ist das einzige deutschsprachige Buch mit vielen Informationen zu den wichtigsten Spielen, Gerätevarianten und Zubehör. Leider ist die Bibel schon seit längeren nicht mehr erhältlich. Sammler freuen sich hingegen auf den bereits seit 2 Jahren erhältlichen Katalog, bei dem jedes in Japan erschienende Spiel mit Cover und Bildschirmfotos detailliert abgebildet ist.

Nintendo Classic Mini: Super Nintendo

Der 29. September war für die Spielebranche eines der Umsatzstärksten Tage in diesem Jahr. Neben der Veröffentlichung von Fifa 18 brachte Nintendo die Miniaturausgabe des Super Nintendo, das SNES Classic Mini, in den Handel.

Erste Gerüchte über eine SNES Classic Mini für das Weihnachtsgeschäft 2017 gab es bereits im Februar, wurde aber erst Ende Juni offiziell angekündigt.

Die Auswahl der Spiele ist nicht ganz so gut wie beim NES Mini und wurde auf insgesamt 21 Titel reduziert. Einige Genres sind gar nicht vertreten. Anstatt den zwei Kirby Spielen hätte eins davon (Kirby Super Star, in Europa als Kirby’s Fun Pak bekannt) ausgereicht. Punch-Out !! spielt sich auf dem NES besser und Earthbound ist Geschmackssache. Stattdessen hätte man diese o.g. Spiele durch ein Sidescroller Beat ’em up (z.B. Turtles in Time), ein Shoot`em Up (z.B. Axelay oder Parodius) sowie ein Sportspiel ersetzen können. Trotzdem sind genügend andere und vor allem sehr hochwertige Spiele vorhanden. Secret of Mana, Super Metroid oder Contra 3 (Super Probotector) gehören zu den besten Spielen, die für Nintendos 16-Bit Konsole erschienen sind. Leider sind die Spiele, obwohl es z.T. eine deutsche Version gibt, nur in englischer Sprache verfügbar.

Liefersituation und Verfügbarkeit:
Nintendo hat das Versprechen mit einer besseren Verfügbarkeit zum Verkaufsstart zumindest teilweise gehalten. Ein Elektrofachmarkt zwischen München und Passau, sowie ein Markt in München Pasing wurden von Nintendo mit einer großen Stückzahl (ca. 80 Geräte) beliefert. Ein anderer Markt in Alpenvorland (Südostbayern) hatte zum Verkaufsstart mit Schätzungsweise 15 bis 20 Geräten deutlich weniger. Bei der Drogeriemarktkette Müller ging ein beachtlicher Teil des vorgesehenen Kontingents an Online Vorbesteller.

Ursprünglich war geplant, das SNES Classic Mini nur in einen Zeitraum für 3 Monate auszuliefern. Um nicht wie im letzten Jahr das Vor- und Nachweihnachtsgeschäft entgehen zu lassen, wurde kurzzeitig beschlossen die Konsole noch bis ins Jahr 2018 auszuliefern. Trotzdem gehen derzeit sog. Scalper-Angebote für durchschnittlich 140 bis 160 Euro auf der Auktionsplattform eBay weg. Wer also bisher leer ausgegangen ist, sollte auf eine Nachlieferung warten.

Nintendo Classic Mini: Super Nintendo

In der Konsole ist eine nahezu fast identische Platine wie im NES Mini verbaut. Die Spiele laufen über eine Emulation ab. Da das System (wie schon das NES Mini) nicht gut geschützt ist, können bei den derzeit ausgelieferten Geräten demnächst weitere Spiele über einem inoffiziellen Hack hinzugefügt werden. Das Gehäuse und die Controller sind sehr sauber verarbeitet, allerdings ist die Oberflächenstruktur etwas rauer als beim Original von 1992.

Lieferumfang:
Um das Desaster vom letzten Jahr zu vermeiden, befindet sich im Lieferumfang jetzt zwei Controller. Ansonsten sind wie beim NES Mini noch jeweils ein USB- und HDMI Kabel, sowie die Bedienungsanleitung in der Verpackung mit dabei.

Controller:
Der SNES Classic Mini Controller unterscheidet sich vom äußerlichen kaum vom Original. Er entspricht in etwa der zweiten Ausführung (ab ca. 1994) ohne Beschriftung der L & R Schultertasten. Das Steuerkreuz empfinde ich sogar etwas genauer. Die Kabellänge des Controllers ist bei 1,40 Meter (beim alten Europäischen SNES noch 2,30 Meter) akzeptabel.

Leider gibt es die SNES Classic Controller nicht einzeln nachzukaufen. Derzeit gibt es auch keine Informationen darüber, ob und wann es Ihn als Ersatz z.B. bei Nintendo direkt zu beziehen gibt.

Menü:
Das Menü ist im Vergleich zum NES Mini fast identisch. Neu hinzugekommen ist eine sog. Rückspul-Funktion sowie verschiedene Rahmen wie beim Game Boy Player.

Bilddarstellung:
Das SNES Classic Mini gibt eine Auflösung von 720p aus. Die Spiele entsprechen der amerikanischen Version und laufen in der Originalgeschwindigkeit in 60 Hz Modus ab. Von den drei Bilddarstellungs-Optionen (CRT, 4:3 und Pixelgenaue Darstellung) wurden im direkten Vergleich zum NES Mini zwei davon deutlich verändert.

Bild 1: Orig. SNES via Framemeister, Bild 2: SNES Classic Mini (4:3 Modus)

Bild 1: Orig. SNES via Framemeister mit Scanlines, Bild 2: SNES Classic Mini mit Scanlines (CRT Modus)

Der Pixelgenaue Modus ist dabei identisch und gibt ein 1:1 Pixelratio aus, dass für die meisten Spiele zu schmal ist, für einige wenige (z.B. Yoshis Island) aber gut, weil dort z.B. Kreise dann wirklich rund erscheinen.

Der 4:3 Modus streckt das Bild auf das normale TV Format. Während beim NES Mini eine einfache Pixelwiederholung verwendet wurde, wo beim horizontalen Scrolling unschöne Arfefakte entstehen, verwendet das SNES Classic Mini hier einen Bilinearen 1:3 Filter. Das führt zu einer sauberen Scalierung mit minimal weniger scharfen vertikalen Farbkanten, dafür aber ein einwandfreies Scrolling.

Den CRT Modus finde ich Geschmackssache. Beim NES Mini entsprach dieser Modus dem eines Composite Video Filters mit Unschärfe, Perlketteneffekten und Scanlines. Der Filter im SNES Classic Mini entspricht in etwa dem eines alten Röhrenfernsehers mit leichter Unschärfe. Leider verzichtete man wieder auf eine Option, für alle drei verfügbaren Bildoptionen sog. „Scanlines“ manuell einzustellen. Diese sind wie beim NES Mini nur im CRT Modus vorhanden, die aber nicht mehr korrekt sitzen und die Pixel etwas anschneiden. In der Praxis sieht man den Unterschied aber beim normalen Sitzabstand am TV nicht mehr.

Input-Lag:
Der Input-Lag ist dafür sehr gering und um etliche Frames schneller als die derzeit gängigen Emulatoren für den Pi. Mit einem geeigneten Fernseher wie z.B. der Sony W6/W8 Serie steht dem ungetrübten Spielspaß nichts mehr im Wege.

Musikausgabe:
Den (von Sony entwickelten) PSC700 8-Bit Soundchip zu emulieren ist relativ schwierig. Wer die Originalgetreue Tonwiedergabe haben möchte, kommt auf einer Originalkonsole natürlich nicht herum. Grobe Fehler wie beim NES Mini (verzögerte Soundeffekte wie z.B. der Peitschenschlag bei Castlevania) sind glücklicherweise nicht vorhanden. Das bisher einzige mir bekannte Musikstück, das nicht ganz akkurat abgespielt wird, ist eine Abspannmusik bei Street Fighter 2 Turbo (Ryu Ending, Soundtest 1E).

Fazit:
Wenn Nintendo das Lieferversprechen tatsächlich einhält und die Konsole dann auch im Dezember für die Laufkundschaft beim Obletter, Saturn und Co. in ausreichenden Mengen in den Regalen zum Spontankauf Bereitstehen, dann ist das SNES Classic Mini ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Zu Kritisieren gibt es nur den hohen Preis von ca. 100 Euro in Deutschland. In einigen Europäischen EU Ländern (z.B. Italien) kostet die Konsole nur 79,99 Euro. Das wieder kein USB-Netzteil dabei ist, aber jetzt offiziell für ca. 13 Euro mit den „Qualitätssiegel“ angeboten wird, hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack einer Abzocke wenn man bedenkt, das dieses Zubehör in Amerika im Lieferumfang bereits mit enthalten ist.

Kaufempfehlung: 8/10

New Nintendo 3DS XL SNES Edition

Zum 25. Jährigen Jubiläum (das SNES erschien in Deutschland erst Mitte August 1992) hat sich Nintendo of Europe etwas Besonderes einfallen lassen. Ab dem 13. Oktober ist der New 3DS XL im schönen SNES Design für 199 Euro im normalen Handel erhältlich.

In Japan ist diese Modellausführung schon seit längeren erhältlich und war nur direkt bei NCL mit einem Aufpreis von ca. 3000 Yen für kurze Zeit bestellbar.

Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System

Vor 2 Wochen erschien die PS4-Pro und mit der bereits erhältlichen VR-Brille brachte Sony eine weitere Neuheit für die PlayStation 4 auf dem Markt.

Nintendo pfeift hingegen auf Virtual Reality und veröffentlicht die „Nintendo Switch“ wie geplant im März 2017. Die Umsätze zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft werden größtenteils mit dem New 3DS XL, der „Sparversion“ 2DS sowie den Pokemon Spielen gemacht. Ganz ohne neue Hardware wollte man dann doch nicht alleine dastehen und bringt stattdessen eine Neuauflage des NES (als Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System, kurz NES mini) in die Märkte.

Hierbei handelt es sich um eine Miniaturausgabe der 8-Bit Konsole, in dem bereits 30 Spiele installiert sind. Weitere Titel können nicht nachträglich hinzugefügt werden. Um den neuen Fernsehstandard gerecht zu werden, ist die Konsole Serienmäßig mit einem HDMI Anschluss ausgestattet.

Das NES mini ist vom Konzept ähnlich vergleichbar wie die „kleinen“ Atari 2600- oder Mega Drive Nachbauten, die es seit einigen Jahren schon zu kaufen gibt. Der Unterschied ist jedoch, dass man das Originaldesign der Konsole aus dem 80er Jahren beibehalten hatte und das ganze wesentlich hochwertiger verarbeitet ist als bei den Mitbewerbern.

Nintendo hat bei den Spielen eine gute Auswahl getroffen. Spielspaßgurken gibt es so gut wie fast gar nicht. Zu den Klassikern gehören vor allem die Zelda- und Super Mario Spiele, sowie Bubble Bobble, Castlevania, Super C (aka Probotector 2), Ice Climber und vor allem Mega Man 2.

Die Nachfrage nach der Retrokonsole ist jedenfalls sehr groß. Ein Elektrofachmarkt zwischen München und Passau hätte am Erscheinungstag locker 70 Konsolen verkaufen können, wenn Nintendo diese auch geliefert hätte. Nintendo hat sich für die Veröffentlichung des NES mini genau den richtigen Zeitpunkt herausgesucht und Retrogaming Massenmarkttauglich gemacht. Diesen Retro-Trend konnte man bereits vor ein paar Jahren bei der Vinyl Schallplatte beobachten.

Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System

In der Konsole sind handelsübliche Standardbauteile wie z.B. ein 4-Kern-SoC mit ARM-Architektur verbaut. Die NES Spiele laufen über eine Emulation ab. Das Gehäuse ist sehr sauber verarbeitet und die Controller entsprechen größtenteils dem Original von 1985 (abgesehen von anderen Stecker).

Lieferumfang:
Leider befindet sich wieder kein Netzteil im Lieferumfang. Glücklicherweise kann man ein handelsübliches 5V USB Netzteil mit mindestens 1 Ampere Strombelastbarkeit verwenden und ist nicht wie beim 3DS auf spezielle Netzteile angewiesen. Ansonsten sind noch jeweils ein USB- und HDMI Kabel, sowie ein Controller und die Bedienungsanleitung in der Verpackung mit dabei.

Das Kabel ist zu kurz

Die Kabellänge des Controllers (ca. 70cm, beim alten NES noch 2,30 Meter) finde ich eine Zumutung. In Zeiten, wo sich in den Haushalten Flachbildfernseher mit einer Durchschnittsgröße von 50“ befinden ist es mir schleierhaft, was sich Nintendo eigentlich dabei gedacht hat.

Menü:
Über das Menü wurde schon auf anderen Internetseiten ausführlich berichtet. Die Möglichkeit, den Spielstand über die Reset-Taste manuell zu sichern finde ich als sehr praktisch, speziell bei den Spielen Kid Icarus und Metroid.

Bilddarstellung:
Das NES mini gibt eine Auflösung von 720p aus. Die Spiele entsprechen der amerikanischen Version und laufen in der Originalgeschwindigkeit im 60 Hz Modus ab. Zur Auswahl gibt es den CTR Modus, den 4:3 und eine Pixelgenaue Darstellung.

Bildvergleich SMB3:

Bild 1: NES via Composite Video auf einer Röhre, Bild 2: NES mini im CTR Modus auf dem LCD

Bildvergleich Dr. Mario:

Bild 1: NES via Composite Video auf einer Röhre, Bild 2: NES mini im CTR Modus auf dem LCD

Der CTR Filter ist etwas unschärfer und dunkler als die normale Video Bildausgabe des „alten“ NES auf einem Röhrenfernseher. Die vertikalen Kanten sind sauberer mit weniger störenden sog. „Perlketteneffekten“. Im 4:3 Modus ist das Bild bei Spielen mit horizontalen Scrolling unsauber. Einwandfrei, wenn auch etwas zu scharf, ist die Pixelgenaue Darstellung. Leider verzichtete man auf eine Option, für alle drei verfügbaren Bildoptionen sog. „Scanlines“ manuell einzustellen. Diese sind nur im CTR Modus vorhanden, die aber bei Fernsehern mit einer nativen Auflösung von 1360×768 (z.B. Samsung R8 Serie) leicht ungleichmäßig dargestellt werden.

Bei den Spielen selbst gibt es noch eine minimale Änderung. Die Blitz-Effekte bei Mega Man 2 (nachdem eine Spielstufe ausgewählt oder in den Dr. Wily Stages ein Boss besiegt wurde), der flackernde Game Over Screen bei Zelda 2 oder die schnell wechselnden Bilder bei Kirby`s Adventure (als Crash-Kirby) wurden geändert, abgeschwächt oder wegrationalisiert. Der Grund liegt vermutlich daran, um bei bestimmten Personen Epilepsie-Anfälle zu vermeiden.

Musikausgabe:
Die Tonausgabe ist weniger gut gelungen. Einige Musikstücke werden nicht ganz akkurat abgespielt (z.B. Kid Icarus 1. Level) oder einige Soundeffekte verzögert wiedergegeben (z.B. der Peitschenschlag bei Castlevania oder das Sprunggeräusch bei Super Mario Bros.). Hier hat Nintendo leider geschlampt. Wer die Originalspiele nicht in- und auswendig kennt, wird den Unterschied kaum feststellen.

Fazit:

Für ca. 60 bis 70 Euro ist das NES mini trotz nicht ganz perfekter Emulation und kleineren unnötigen Mängeln (z.B. zu kurzes Kabel bei den Controllern) ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Kaufempfehlung: 7/10

Das dümmste was Nintendo jetzt machen kann, ist nicht genügend Geräte auszuliefern. Das NES mini muss spätestens Mitte Dezember beim Obletter, Saturn und Co. in ausreichenden Mengen in den Regalen stehen und nicht erst wieder im Februar, wo das Weihnachtsgeschäft vorbei ist. Und derzeit sieht es leider so aus, dass viele Kunden leer ausgehen werden…

Gameshopping in Paris

Paris – Die Stadt der Liebe. Jedes Jahr kommen hier 16 Millionen Touristen, um die berühmten Sehenswürdigkeiten wie z.B. den Eifelturm oder das Louvre Museum zu besuchen. Wer dann noch Geld zum einkaufen übrig hat, verbringt die Zeit in den bekannten Meilen wie z.B. die Rue de Rennes oder die Champs-Elysées. Videospiel interessierte Kunden gehen in diesen Orten meist leer aus, denn trotz hoher Bekanntheit sind die meisten Geschäfte im Modebereich vertreten.

Grund für meinen 4-Tägigen Aufenthalt in Paris war neben den Sehenswürdigkeiten auch eine besondere Straße, die von Touristen weitgehend noch nicht bekannt ist und bisher in keinen Reiseführer erwähnt wurde. Die Rede ist von der Boulevard Voltaire, dem kleinen Europäischen Akihabara. Im Gegensatz zu Tokyo gibt es hier weder Maid Cafes, noch große Ketten, die sich über mehrere Stockwerke erstrecken, sondern schlicht und einfach reine Video- und Computerspielläden und das ein oder andere Hobby-, Manga- und Figurengeschäft.

Paris ist außerhalb Japans der beste Ort, wo es viele Fachgeschäfte gibt, die eine große Auswahl an alten Videospielen- und Konsolen führen. Man merkt in Frankreich auch immer sehr deutlich, dass Videospiele viel selbstverständlicher als Kulturgut betrachtet werden, als das in Deutschland der Fall ist. Im bekannten Louvre Museum wird sogar der Nintendo 3DS als Audioguide bzw. Museumsführer verwendet.

Boulevard Voltaire – Das Europäische Akihabara

Zwischen den Metro Stationen République und Oberkampf sind auf dem Boulevard Voltaire die meisten eigenständigen Videospielläden zu finden. Außerdem befindet sich dort noch das ein oder andere Hobby- und Merchandise Geschäft, die oft auch noch ein paar Spiele anbieten.

Foto 1 und 2: Trader Games

Steigt aus der Metro Station République aus und geht Richtung der Pizzeria Pino. Gleich am Anfang befindet sich auf der rechten Seite der Trader Games. Im Erdgeschoß befinden sich die aktuellen Systeme. Bei den Neuspielen aus dem Standardsortiment wird in der Regel nur ein Exemplar in der Vitrine ausgestellt. Beim Kauf bekommt Ihr dann eins aus dem Lager ausgehändigt. Teilweise gibt es die Spiele in zwei verschiedenen Versionen zur Auswahl, d.h. eine einheimische Französische und eine Englische UK Auflage. Importspiele sind durchwegs zu vernünftigen Preisen zu bekommen. Caladrius Blaze als Asia Version (PS4) kostet 44,99 Euro und in etwa genauso teuer als wenn man es selbst aus Hong Kong importiert. Ein New 3DS LL (japanische Version) ist mit 249 Euro auch ein guter Preis wenn man bedenkt das bei einer Bestellung aus einem Drittland normalerweise noch Porto und EUSt. dazukommen. 129 Euro für die Rockman E-Limited Edition oder 79 Euro für eine gebrauchte, aber im 1A Top-Zustand erhaltene Hyrule Warriors LE war jetzt auch nicht übertrieben.

Foto 1-4: Trader Games

Im Obergeschoß befinden sich die Spiele aus den vergangenen Konsolengenerationen. Wie in Japan wird der Zustand von Originalverpackten Spielen nach Einstufungen wie z.B. mit geringen Gebrauchsspuren, durchschnittlichen Gebrauchsspuren oder starken Gebrauchsspuren (A, B und C) gekennzeichnet.

Gleich gegenüber auf der linken Seite der Blvd. Voltaire, wo sich die meisten Geschäfte befinden, steht im Untergeschoß des japanischen Merchandise Geschäft „Mangarake“ eine kleine Vitrine mit ein paar Videospielen.

Foto 1-3: Maxxi Games

Nebenan ist der Maxxi-Games nicht zu übersehen. Im Erdgeschoss konnte man zu diesem Zeitpunkt (vermutlich wegen Umstellung der Regale) leider nicht ganz weit nach hinten gehen. Im Keller sind die Retrospiele ausgestellt. Trotz großer Auswahl gab es praktisch so gut wie kein Originalverpacktes SNES Spiel zum vernünftigen Preis. Realistischer waren da schon die Preise für lose Module. Leider ist Maxxi-Games ein teurer Laden, der selbst für manche Neuerscheinungen 5 Euro mehr verlangt als der marktübliche Verkaufspreis. Für Chibi-Robo Zip-Lash, das es bei uns in jeder Müller Filiale für 19,99 Euro gibt, wollte man dort stolze 79 Euro. In Frankreich gibt es mehrere Maxxi-Games Geschäfte. Inwieweit sich diese vom Sortiment und den Preisen unterscheiden ist mir nicht bekannt.

Mod Fusion

Ein paar Meter weiter nach links in die Rue Rampon ist an der Kreuzung zur 44, rue de Malte der „Mod Fusion“. Leider ist der Laden ziemlich chaotisch und heruntergekommen, hatte aber das ein oder andere gebrauchte Spiel zum niedrigen Preis gehabt.

Ein weiteres interessantes Geschäft ist „Tronix“, das Reparaturen und Ersatzteile für Konsolen anbietet. Das Ladenlokal hat eine schöne Ausstellung, wo sämtliche Geräte und Zubehörteile auseinandermontiert angesehen werden können.

Foto 1-3: Retrogameplay

Retrogameplay bietet ebenso eine große Auswahl an aktuellen und älteren Systemen. Tokyo Mirage Sessions #FE in der Fortissimo Edition, die in Deutschland schon kurz nach dem Erscheinungstag vergriffen war, standen hier noch mehrmals in der Vitrine.

Stockgames ist eher nur bei der aktuellen und letzten Konsolengeneration interessant. Im Keller befindet sich zwar auch eine Abteilung mit Retro Systemen, diese ist aber nicht so groß wie bei den anderen Geschäften. Im Manga Story und Hobby One lohnt es sich auch mal reinzuschauen. Zumindest einer der beiden Läden hatte auch Videospiele gehabt.

Sat. Elite Videogames hat nebeneinander mehrere Geschäftsräume. Für jeden Konsolenhersteller (Microsoft, Sony, Nintendo) gibt es ein eigenes Ladenlokal. Außerdem sind die DVD- und BluRay Filme nochmals woanders untergebracht. Der Level Up liegt ebenfalls auf dem Weg. Das Geschäft dürfte es aber inzwischen nicht mehr geben, da zu meinen Aufenthaltszeitpunkt ein Räumungsverkauf stattgefunden hatte.

Geht man durch die Passage du Jeu de Boules, ist gleich links um die Ecke (47 Rue de Malte) der „Game Them All“ in einer Seitengasse versteckt. Man merkt, dass der Inhaber sein Hobby zum Beruf gemacht hat, denn er spielt den ganzen Tag am liebsten auf dem Neo Geo AES. Die Auswahl ist bedeutend weniger als woanders, dafür sind viele Spiele im sehr guten Zustand.

Foto 1 und 2: Recycle Store

Das letzte Geschäft ist etwas weiter auf der rechten Seite, kurz vor der Station Oberkampf. Im Recycle Store sind manche Spiele etwas günstiger zu bekommen. Raritäten wie z.B. Ginga Fukei Densetsu Sapphire für die PC-Engine gehören ebenso zum Sortiment dazu wie normale Standardware.

Die für mich interessantesten Geschäfte waren Trader-Games, Game Them All und der Recycle Store. Die Manga- und Figurengeschäfte hatten eine tolle Atmosphäre als wäre man jetzt in Japan und nicht in Frankreich. Überhaupt legen die meisten (Videospiel) Shops in Paris bei den LE`s viel Wert auf eine gut erhaltene Originalverpackung. Beschädigungen mit einem Diebstahl-Sicherungsband, wie es leider in vielen Geschäften in Deutschland gehandhabt wird, konnte ich in Paris nur bei Fnac feststellen.

Abseits gelegene Shops:

Wenn man nicht schon von der gigantischen Auswahl durcheinander ist, das man sich nicht mehr erinnern kann in welchen Geschäften welches Spiel in der Vitrine stand, kann auf dem Weg gleich noch woanders vorbeischauen.

Steigt von dort aus in die Metro Station Oberkampf und fährt zwei Stationen bis zur Metro Station Voltaire. Hier geht man südlich die Avenue Ledru Rollin runter. Gleich rechts (in die 41 Rue Basfroi) ist noch der recht nette Retrogame-Shop.

Foto 1-3: Retrogame-Shop

Anschließend geht Ihr die Avenue Ledru Rollin noch etwas weiter südlich bis zur gleichnamigen Metro Station Ledru-Rollin. Dort befindet sich an der Kreuzung ein Book-Off, der ganz wenig Spiele zur Auswahl hat, aber die Konsolen relativ günstig zu bekommen sind. Eine PS3 kostet dort 60 Euro und eine WiiU gibt es für ungefähr die Hälfte des derzeitigen Neupreises. In der 71 Rue Crozatier gibt es noch den Neo-Legend. Hier werden aber größtenteils nur Bauteile und Dienstleistungen für Spielautomaten angeboten.

Weitere Fachgeschäfte:

Wer von Museumsbesuchen genug hat, kann auch an anderen Orten vorbeischauen. Beispielsweise gibt es in der Gegend um die Metro Station Cluny-La Sorbonne diverse Comic-, Manga- und Merchandiseläden. Viele der Läden sind in der Rue Dante und an der Kreuzung Rue Saint- Jacques & Blvd. Saint Germain. Der Game Corner befindet sich in der 15 Rue Saint-Jacques. Etwas weiter südöstlich befindet sich in der 6 Rue des Écoles der Replay Jussieu und ein paar Meter weiter der Stock Games Replay.

Flächenmärkte und Ketten:

Für Elektronikmärkte und große Kaufhäuser war die Aufenthaltszeit in Paris natürlich viel zu kurz. Trotzdem habe ich es in zumindest in jeweils einer Filiale geschafft.

Unschwer zu erkennen: Fnac

Fnac ist ein Medienkaufhaus, die ebenfalls mehrere Standorte in Frankreich bzw. Paris haben, Die kleinen Fnac Zweigstellen in den Bahnhofsgebäuden haben nur ganz wenige Spiele und Konsolen. Eine größere Auswahl gab es in einer Filiale an der Rue des Rennes. Die Preise sind in etwa in dem Bereich angesiedelt, wie die Spiele in den letzten Jahren in den Karstadt Kaufhäusern gekostet hatten. Dafür gab es ein paar gute Zeitlich befristete Sonderangebote. Mirrors Edge Catalyst oder die Uncharted Collection waren mit jeweils 19,99 Euro ein Schnäppchen.

Micromania ist das französische GameStop. Dementsprechend richtet sich das Angebot auch an einer anderen Zielgruppe. Im Gegensatz zu Deutschland oder Amerika waren Neuspiele größtenteils noch in der Originalfolie eingepackt oder geöffnete Ausstellungsstücke in einer Hartbox eingeschlossen.

Preise und vorläufiges Fazit:

Über die Preise von Spielen für ältere Systeme möchte ich nicht wieder groß darüber das diskutieren anfangen. Ein gut informierter Sammler, der sich über sehr viele Jahre hinweg damit beschäftigt hat, weiß ganz genau dass die Preise für Retrospiele derzeit grundsätzlich übertrieben teuer sind.

In Paris werden leider teilweise sogar absurde Preise dafür verlangt. Hier entsteht für mich der Eindruck, das man wohl mit Absicht den Preis bei bestimmten Spielen derart hoch angesetzt hat, nur um der Kundschaft zeigen zu wollen welche tolle Sachen man im Regal stehen hat aber eigentlich keine Interesse daran besteht, ernsthaft verkaufen zu wollen.

Ramschpreise wie in Japan oder Angebote wie bei uns in den Flächenmärkten kann man sich zumindest in der Blvd. Voltaire abschminken. Für Elektronikmärkte, Kaufhäuser und Einkaufsarkaden war die Zeit zu kurz um überhaupt mal zu schauen, wie dort die Auswahl, Angebote und die Preise sind. Bei der nächsten Reise nach Paris plane ich das dann aber mit ein.

Spielhallen in Italien – Sommer 2016

Seit dem ersten Bericht über die Spielhallen (bekannt auch unter Sala Giochi oder Spiel Saal) in Bibione bzw. Italien sind immerhin schon 7 Jahre vergangen. Da ich dieses Jahr zweimal meinen Urlaub an der Adria verbracht hatte, ist es Zeit für eine größere Zusammenfassung.

Meine ersten beiden Beiträge könnt Ihr unter folgenden Links nochmals nachlesen:

https://playoffline.wordpress.com/2009/06/29/salagiochi/
https://playoffline.wordpress.com/2013/09/08/darkescape4d/

Einleitung

Die japanischen oder italienischen Spielhallen, sog. Arcades, werden von vielen Laien mit den Glücksspielcentern in Deutschland verwechselt. Dennoch unterscheiden sich die Spielhallen in Italien nochmals mit deren in Japan, denn das Angebot ist in erster Linie für ein Familienpublikum ausgerichtet. Außerhalb der Spielhallen befinden sich z.B. Reitpferde oder eine Mini Kartbahn für die kleinen Kinder. In Kreta und Spanien waren die Spielhallen vor ca. 20-23 Jahren vergleichbar mit Italien. Ob sich diesbezüglich inzwischen etwas geändert hat, ist mir nicht bekannt.

Grundsätzlich hat jeder Touristenort in Italien, also z.B. Bibione, Lignano, Caorle oder Lido di Jesolo Spielhallen. Normalerweise sind die Spielhallen nur ab der Urlaubsaison bis zum 25. September geöffnet. Einige Spielhallen schließen Ihre Türen erst zur Hauptsaison ab ca. Mitte Juni auf. Das komplette Angebot (dazu gehört z.B. auch der Luna Park oder viele Supermärkte und Geschäfte) gibt es bis einschließlich zum letzten Wochenende der Sommerferien in Bayern.

Allgemeines Angebot in Italien:

Vor ca. 20 Jahren wurden noch jedes Jahr aktuelle Automaten aufgestellt. Irgendwann kam der Zeitpunkt, wo immer wenig neue Videospielautomaten erschienen sind, gleichzeitig aber die Anschaffungskosten für einen neuen Automat enorm gestiegen sind und deshalb für viele Spielhallenbesitzer nicht mehr zu bezahlen war.

In den letzten Jahren hat sich aus den bereits genannten Gründen das Angebot nicht groß geändert. Die klassischen Jamma Cabinets gibt es schon lange nicht mehr. Man findet aber noch Dedicated Cabinets (die für ein bestimmtes Spiel gedacht sind) und vereinzelt auch Naomi Cabinets. Größtenteils sind alle gängigen Deluxe- oder Cockpit Cabinets ab Baujahr 1995 wie z.B. Sega Rally 1-3, Club Cart, Cyber Cycles, House of the Dead, 3 & 4, Rambo und weitere Racer, Musikspiele und Lightgun Shooter mehrfach vorhanden.

Leider sind viele Automaten nach 10-20 Jahren Betriebszeit in abgenutzten Zustand. Viele Bildschirme funktionieren altersbedingt nicht mehr richtig, einige Automaten sind sogar defekt oder mutwillig beschädigt. Trotzdem wurden viele Spielautomaten mit einen neuen 16:9 LCD oder Plasma Fernseher wieder repariert. Ein Urlauber erkennt nicht, dass in den Gehäusen früher 4:3 Monitore eingebaut waren.

Derzeit kommen immer mehr sog. “Ticket Redemption” Automaten in die Spielhallen, oft auch in Kombination mit bekannten Spiele Titeln wie z.B. Candy Crush Saga. Neue Videospielautomaten ohne Gewinnmöglichkeiten werden nicht mehr so häufig erworben. Trotzdem gab es mit einen Jahr Verspätung Dark Escape 4D oder Moto GP in vielen Spielsälen.

Die Klassischen Flipper Automaten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Hier sind noch viele alte Geräte im Betrieb.

Bibione, Lignano oder Caorle ?

Bibione

In Bibione gibt es derzeit 15 Spielhallen – 9 davon befinden sich im Zentrum (in der Corso del Sole, Viale delle Costellazioni und Viale Aurora), drei im außerhalb gelegenen Stadtteil Pineda, eine in Lido dei Pini (von der Corsa Europa aus gesehen die Corso del Sole überqueren und den hoch gelegten Fußgängerweg entlang gehen, vorbei an der Pizzeria „Ed Altro“), eine befindet sich in der Nähe vom Luna Park in der Via Lemene und die letzte in der Viale Italia im Stadtteil Lido del Sole.

Übrigens: Das erste Arcade Videospiel, welches ich noch in den 80er Jahren in Bibione gespielt hatte, war der für damalige Verhältnisse äußerst faszinierende „Out Run“ Automat mit Hydrauliksitz.

Arcade in Pineda

Retro, Retro, Retro…

Letztes Jahr wurde das Eiscafe „Cortina“ durch die Übernahme des Sohnes vom Besitzer in eine Spielhalle umgebaut.

Aus zwei macht eins: HotD 4 in einen HotD 3 Gehäuse

Röhren sind in der Regel im guten Zustand

Family Entertainment Center – 2 Stöckige Arcade

Lignano Sabbiadoro

In der Fußgängerzone im Standteil Sabbiadoro (ab der Via Udine durch die Viale Venezia bis zum Piazza Gino Ursella auf der Viale Centrale) gibt es 4 große Spielhallen. Im Gegensatz zu Bibione sind die meißten Automaten im optisch sehr guten Zustand. Man findet in der Big Ben Arcade viele Neuerscheinungen und Kuriositäten aus Japan wie z.B. Elevator Action, After Dark, Mario Kart Arcade DX oder Mario & Sonic Rio 2016.

Von Bibione nach Lignano fährt man mit dem Auto schätzungsweise 20-30 Minuten. Kostenlose Parkmöglichkeiten gibt es z.B. in der Via Porpetto. Nach Pineta und Riviera habe ich es leider zeitlich nicht mehr geschafft sich dort umzuschauen. Das wird im nächsten Jahr nachgeholt.

Caorle

Caorle sollte man möglichst an einen Samstag vermeiden, weil der große Parkplatz zwischen der Touristeninformation und dem Aquapark wegen dem Wochenmarkt gesperrt ist.

Die erste Spielhalle findet man von der Str. Nuova Richtung Altstadt beim Kreisverkehr nach rechts am Hafen vorbei, die Fondamenta Pescheria entlanggehen bis zum Piazza Matteotti. Weitere Spielhallen befinden sich in der Via Dal Moro Luigi und der Viale Santa Margherita (bis zum Ristorante Sporting).

Nur wegen den Spielhallen lohnt es sich nicht nach Caorle zu fahren. Es gibt keine Spiele, die nicht in Bibione oder Lignano vorhanden gewesen wären. Saisonalbedingt war die eine oder andere Spielhalle noch nicht geöffnet.

Geschlossene Arcades

In den letzten Jahren konnten sich fast alle Spielhallen in Bibione irgendwie halten, auch wenn es mir ein Rätsel ist, wie die kleineren Arcades außerhalb des Zentrums über die Runden kommen. Exoten wie z.B. Lupin werden deswegen nur auf Nachfrage eingeschaltet, denn der Stromverbrauch im „No Coin“ Betrieb dürfte höher sein als die Einnahmen.

Eine Spielhalle ist noch komplett mit dem Inventar ausgestattet, gehört angeblich einen 80 Jahre alten Mann und wurde schon vor ca. 15-20 Jahren auf Polizeiliche Anordnung geschlossen. Seitdem verstauben dort alte Videospiel- und Flipperautomaten. Weil über der Spielhalle Wohnungen sind, wurde zum Glück bisher noch nichts geplündert. So manch ein Sammler könnte sich die Finger daran lecken.

Fragen an die Leser meines Blogs: Wer kennt noch andere Spielhallen in den o.g. Orten bzw. in Italien ?