Gameshopping in Paris

Veröffentlicht: 31. Oktober 2016 in Retrogames

Paris – Die Stadt der Liebe. Jedes Jahr kommen hier 16 Millionen Touristen, um die berühmten Sehenswürdigkeiten wie z.B. den Eifelturm oder das Louvre Museum zu besuchen. Wer dann noch Geld zum einkaufen übrig hat, verbringt die Zeit in den bekannten Meilen wie z.B. die Rue de Rennes oder die Champs-Elysées. Videospiel interessierte Kunden gehen in diesen Orten meist leer aus, denn trotz hoher Bekanntheit sind die meisten Geschäfte im Modebereich vertreten.

Grund für meinen 4-Tägigen Aufenthalt in Paris war neben den Sehenswürdigkeiten auch eine besondere Straße, die von Touristen weitgehend noch nicht bekannt ist und bisher in keinen Reiseführer erwähnt wurde. Die Rede ist von der Boulevard Voltaire, dem kleinen Europäischen Akihabara. Im Gegensatz zu Tokyo gibt es hier weder Maid Cafes, noch große Ketten, die sich über mehrere Stockwerke erstrecken, sondern schlicht und einfach reine Video- und Computerspielläden und das ein oder andere Hobby-, Manga- und Figurengeschäft.

Paris ist außerhalb Japans der beste Ort, wo es viele Fachgeschäfte gibt, die eine große Auswahl an alten Videospielen- und Konsolen führen. Man merkt in Frankreich auch immer sehr deutlich, dass Videospiele viel selbstverständlicher als Kulturgut betrachtet werden, als das in Deutschland der Fall ist. Im bekannten Louvre Museum wird sogar der Nintendo 3DS als Audioguide bzw. Museumsführer verwendet.

Boulevard Voltaire – Das Europäische Akihabara

Zwischen den Metro Stationen République und Oberkampf sind auf dem Boulevard Voltaire die meisten eigenständigen Videospielläden zu finden. Außerdem befindet sich dort noch das ein oder andere Hobby- und Merchandise Geschäft, die oft auch noch ein paar Spiele anbieten.

Foto 1 und 2: Trader Games

Steigt aus der Metro Station République aus und geht Richtung der Pizzeria Pino. Gleich am Anfang befindet sich auf der rechten Seite der Trader Games. Im Erdgeschoß befinden sich die aktuellen Systeme. Bei den Neuspielen aus dem Standardsortiment wird in der Regel nur ein Exemplar in der Vitrine ausgestellt. Beim Kauf bekommt Ihr dann eins aus dem Lager ausgehändigt. Teilweise gibt es die Spiele in zwei verschiedenen Versionen zur Auswahl, d.h. eine einheimische Französische und eine Englische UK Auflage. Importspiele sind durchwegs zu vernünftigen Preisen zu bekommen. Caladrius Blaze als Asia Version (PS4) kostet 44,99 Euro und in etwa genauso teuer als wenn man es selbst aus Hong Kong importiert. Ein New 3DS LL (japanische Version) ist mit 249 Euro auch ein guter Preis wenn man bedenkt das bei einer Bestellung aus einem Drittland normalerweise noch Porto und EUSt. dazukommen. 129 Euro für die Rockman E-Limited Edition oder 79 Euro für eine gebrauchte, aber im 1A Top-Zustand erhaltene Hyrule Warriors LE war jetzt auch nicht übertrieben.

Foto 1-4: Trader Games

Im Obergeschoß befinden sich die Spiele aus den vergangenen Konsolengenerationen. Wie in Japan wird der Zustand von Originalverpackten Spielen nach Einstufungen wie z.B. mit geringen Gebrauchsspuren, durchschnittlichen Gebrauchsspuren oder starken Gebrauchsspuren (A, B und C) gekennzeichnet.

Gleich gegenüber auf der linken Seite der Blvd. Voltaire, wo sich die meisten Geschäfte befinden, steht im Untergeschoß des japanischen Merchandise Geschäft „Mangarake“ eine kleine Vitrine mit ein paar Videospielen.

Foto 1-3: Maxxi Games

Nebenan ist der Maxxi-Games nicht zu übersehen. Im Erdgeschoss konnte man zu diesem Zeitpunkt (vermutlich wegen Umstellung der Regale) leider nicht ganz weit nach hinten gehen. Im Keller sind die Retrospiele ausgestellt. Trotz großer Auswahl gab es praktisch so gut wie kein Originalverpacktes SNES Spiel zum vernünftigen Preis. Realistischer waren da schon die Preise für lose Module. Leider ist Maxxi-Games ein teurer Laden, der selbst für manche Neuerscheinungen 5 Euro mehr verlangt als der marktübliche Verkaufspreis. Für Chibi-Robo Zip-Lash, das es bei uns in jeder Müller Filiale für 19,99 Euro gibt, wollte man dort stolze 79 Euro. In Frankreich gibt es mehrere Maxxi-Games Geschäfte. Inwieweit sich diese vom Sortiment und den Preisen unterscheiden ist mir nicht bekannt.

Mod Fusion

Ein paar Meter weiter nach links in die Rue Rampon ist an der Kreuzung zur 44, rue de Malte der „Mod Fusion“. Leider ist der Laden ziemlich chaotisch und heruntergekommen, hatte aber das ein oder andere gebrauchte Spiel zum niedrigen Preis gehabt.

Ein weiteres interessantes Geschäft ist „Tronix“, das Reparaturen und Ersatzteile für Konsolen anbietet. Das Ladenlokal hat eine schöne Ausstellung, wo sämtliche Geräte und Zubehörteile auseinandermontiert angesehen werden können.

Foto 1-3: Retrogameplay

Retrogameplay bietet ebenso eine große Auswahl an aktuellen und älteren Systemen. Tokyo Mirage Sessions #FE in der Fortissimo Edition, die in Deutschland schon kurz nach dem Erscheinungstag vergriffen war, standen hier noch mehrmals in der Vitrine.

Stockgames ist eher nur bei der aktuellen und letzten Konsolengeneration interessant. Im Keller befindet sich zwar auch eine Abteilung mit Retro Systemen, diese ist aber nicht so groß wie bei den anderen Geschäften. Im Manga Story und Hobby One lohnt es sich auch mal reinzuschauen. Zumindest einer der beiden Läden hatte auch Videospiele gehabt.

Sat. Elite Videogames hat nebeneinander mehrere Geschäftsräume. Für jeden Konsolenhersteller (Microsoft, Sony, Nintendo) gibt es ein eigenes Ladenlokal. Außerdem sind die DVD- und BluRay Filme nochmals woanders untergebracht. Der Level Up liegt ebenfalls auf dem Weg. Das Geschäft dürfte es aber inzwischen nicht mehr geben, da zu meinen Aufenthaltszeitpunkt ein Räumungsverkauf stattgefunden hatte.

Geht man durch die Passage du Jeu de Boules, ist gleich links um die Ecke (47 Rue de Malte) der „Game Them All“ in einer Seitengasse versteckt. Man merkt, dass der Inhaber sein Hobby zum Beruf gemacht hat, denn er spielt den ganzen Tag am liebsten auf dem Neo Geo AES. Die Auswahl ist bedeutend weniger als woanders, dafür sind viele Spiele im sehr guten Zustand.

Foto 1 und 2: Recycle Store

Das letzte Geschäft ist etwas weiter auf der rechten Seite, kurz vor der Station Oberkampf. Im Recycle Store sind manche Spiele etwas günstiger zu bekommen. Raritäten wie z.B. Ginga Fukei Densetsu Sapphire für die PC-Engine gehören ebenso zum Sortiment dazu wie normale Standardware.

Die für mich interessantesten Geschäfte waren Trader-Games, Game Them All und der Recycle Store. Die Manga- und Figurengeschäfte hatten eine tolle Atmosphäre als wäre man jetzt in Japan und nicht in Frankreich. Überhaupt legen die meisten (Videospiel) Shops in Paris bei den LE`s viel Wert auf eine gut erhaltene Originalverpackung. Beschädigungen mit einem Diebstahl-Sicherungsband, wie es leider in vielen Geschäften in Deutschland gehandhabt wird, konnte ich in Paris nur bei Fnac feststellen.

Abseits gelegene Shops:

Wenn man nicht schon von der gigantischen Auswahl durcheinander ist, das man sich nicht mehr erinnern kann in welchen Geschäften welches Spiel in der Vitrine stand, kann auf dem Weg gleich noch woanders vorbeischauen.

Steigt von dort aus in die Metro Station Oberkampf und fährt zwei Stationen bis zur Metro Station Voltaire. Hier geht man südlich die Avenue Ledru Rollin runter. Gleich rechts (in die 41 Rue Basfroi) ist noch der recht nette Retrogame-Shop.

Foto 1-3: Retrogame-Shop

Anschließend geht Ihr die Avenue Ledru Rollin noch etwas weiter südlich bis zur gleichnamigen Metro Station Ledru-Rollin. Dort befindet sich an der Kreuzung ein Book-Off, der ganz wenig Spiele zur Auswahl hat, aber die Konsolen relativ günstig zu bekommen sind. Eine PS3 kostet dort 60 Euro und eine WiiU gibt es für ungefähr die Hälfte des derzeitigen Neupreises. In der 71 Rue Crozatier gibt es noch den Neo-Legend. Hier werden aber größtenteils nur Bauteile und Dienstleistungen für Spielautomaten angeboten.

Weitere Fachgeschäfte:

Wer von Museumsbesuchen genug hat, kann auch an anderen Orten vorbeischauen. Beispielsweise gibt es in der Gegend um die Metro Station Cluny-La Sorbonne diverse Comic-, Manga- und Merchandiseläden. Viele der Läden sind in der Rue Dante und an der Kreuzung Rue Saint- Jacques & Blvd. Saint Germain. Der Game Corner befindet sich in der 15 Rue Saint-Jacques. Etwas weiter südöstlich befindet sich in der 6 Rue des Écoles der Replay Jussieu und ein paar Meter weiter der Stock Games Replay.

Flächenmärkte und Ketten:

Für Elektronikmärkte und große Kaufhäuser war die Aufenthaltszeit in Paris natürlich viel zu kurz. Trotzdem habe ich es in zumindest in jeweils einer Filiale geschafft.

Unschwer zu erkennen: Fnac

Fnac ist ein Medienkaufhaus, die ebenfalls mehrere Standorte in Frankreich bzw. Paris haben, Die kleinen Fnac Zweigstellen in den Bahnhofsgebäuden haben nur ganz wenige Spiele und Konsolen. Eine größere Auswahl gab es in einer Filiale an der Rue des Rennes. Die Preise sind in etwa in dem Bereich angesiedelt, wie die Spiele in den letzten Jahren in den Karstadt Kaufhäusern gekostet hatten. Dafür gab es ein paar gute Zeitlich befristete Sonderangebote. Mirrors Edge Catalyst oder die Uncharted Collection waren mit jeweils 19,99 Euro ein Schnäppchen.

Micromania ist das französische GameStop. Dementsprechend richtet sich das Angebot auch an einer anderen Zielgruppe. Im Gegensatz zu Deutschland oder Amerika waren Neuspiele größtenteils noch in der Originalfolie eingepackt oder geöffnete Ausstellungsstücke in einer Hartbox eingeschlossen.

Preise und vorläufiges Fazit:

Über die Preise von Spielen für ältere Systeme möchte ich nicht wieder groß darüber das diskutieren anfangen. Ein gut informierter Sammler, der sich über sehr viele Jahre hinweg damit beschäftigt hat, weiß ganz genau dass die Preise für Retrospiele derzeit grundsätzlich übertrieben teuer sind.

In Paris werden leider teilweise sogar absurde Preise dafür verlangt. Hier entsteht für mich der Eindruck, das man wohl mit Absicht den Preis bei bestimmten Spielen derart hoch angesetzt hat, nur um der Kundschaft zeigen zu wollen welche tolle Sachen man im Regal stehen hat aber eigentlich keine Interesse daran besteht, ernsthaft verkaufen zu wollen.

Ramschpreise wie in Japan oder Angebote wie bei uns in den Flächenmärkten kann man sich zumindest in der Blvd. Voltaire abschminken. Für Elektronikmärkte, Kaufhäuser und Einkaufsarkaden war die Zeit zu kurz um überhaupt mal zu schauen, wie dort die Auswahl, Angebote und die Preise sind. Bei der nächsten Reise nach Paris plane ich das dann aber mit ein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s