Neuer RGB Umbau für das NES

Veröffentlicht: 26. Januar 2014 in Retrogames

Die auf NES Technik basierenden Automatenplatinen (Playchoice 10 und Vs. Unisystem), das C1 (ein japanischer Fernseher mit eingebauten Famicom) und der Famicom Titler haben andere PPUs (z.B. RP2C03B oder RC2C05-99) die nicht den handelsüblichen PPUs im NES (RP2C02 für NTSC und RP2C07 für PAL) entsprechen und auf RGB ausgelegt sind. Mit einem Austausch der PPUs konnte man somit ein RGB Signal gewinnen und die Bildqualität erheblich verbessern.

Seit kurzen gibt es jedoch eine weitere Möglichkeit.

Durch die im Internet aufgetauchten Patentunterlagen stellte sich die bisherige Annahme – die Pins 14 – 17 der NES PPU (RP2C02 und RP2C07) wären unbelegt – als falsch heraus. Mit diesen Informationen konnte festgestellt werden, dass es sich dabei um Ausgänge handelt. Dadurch ist es erst möglich geworden, mit einen programmierten PLD, Komparatoren, S-Ram und Digital/Analogwandler das NES über eine andere Methode nachträglich mit einen RGB Signal aufzurüsten. Die genaue funktionsweise des Umbaus ist auf der Internetseite vom Tim beschrieben. Dort kann man sich auch den Umbausatz zum Selbsteinbau bestellen: http://etim.net.au/nesrgb/

Generell hat der neue Umbau einige Vorteile gegenüber dem „alten“ Umbau. Der wesentliche Vorteil besteht darin, dass man nicht mehr mühevoll nach einer entsprechenden PPU suchen muss, wo bekanntlich in den letzten 3 Jahren der Preis für dieses Bauteil auf dem Gebrauchtmarkt erheblich gestiegen ist. Ein weiterer Vorteil ist die Kompatibilität zu PAL Konsolen.

Der Umbausatz:

Zur der RGBNES Platine wird noch ein Festspannungsregler sowie weitere Bauteile und Buchsen mitgeliefert. Wer z.B. ein AV-Famicom umbauen möchte, benötigt noch eine Adapterplatine.

Die mitgelieferten Buchsen und Schalter müssen nicht zwangsweise verwendet werden. Für mein Gerät habe ich eine kleine Logic eingebaut (siehe Lochrasterplatine), um einen EIN/AUS/EIN Kippschalter verwenden zu können. Diese Zusatzschaltung ersetzt einen EIN/EIN/EIN Kippschalter, der nur sehr schwer zu bekommen ist.

Am schwierigsten ist es, den Chip von der Hauptplatine auszulöten, ohne dass er beschädigt wird oder Leiterbahnen abgerissen werden. Wer hier nicht die nötige Erfahrung hat, sollte den Umbau besser gleich von einem Fachmann durchführen lassen.

Kleiner Tipp: Für die Audio-Leitung sollte man abgeschirmte Kabel verwenden. Bei der Kabelführung ist darauf zu achten, dass sie nicht von der Lamelle des unteren Abschirmblechs beim Zusammenbau eingequetscht wird.

Nach diesen Umbau ist das NES “RGB Only”, das heißt genauer gesagt, das kein AV- und Antennenkabel mehr verwendet werden kann, da die PPU anschließend nur noch ein grau/weißes Videosignal ausgibt. Stattdessen ist es möglich, über den Video-Encoder Chip auf der Umbauplatine ein Video und S-Video Signal abzugreifen (wird aus dem RGB-Signal gewandelt). Wer weiterhin noch den seitlichen Videoanschluss nutzen will, wählt einfach keine Farbpalette aus und das NES ist in den ursprünglichen (nicht umgebauten) Zustand zurückgesetzt.

Test und Vergleiche:

Die drei im PLD gespeicherten Farbpaletten wurden von zwei NES Emulatoren entnommen und können über einen Schalter auch während des Spielens ausgewählt werden. Die Natural Palette entspricht der gleichen Farb(Bild)Qualität, wie man bisher das NES über den Composite-Video Anschluss am Fernseher benutzt hat. Die Improved Palette wurde vom FCEUX Emulator entnommen (einige Spiele sehen damit besser aus) und die Garish Farbpalette sind mit dem Farben der PC10 RGB PPU fast identisch.

Es ist nicht einfach zu beurteilen, wie gut die einzelnen Farbpaletten gewählt wurden. Als Vergleichstest habe ich eine alte Scph-1002 Playstation und die Rockman 3 Complete Works Version hergenommen, da diese (im Gegensatz zu der Mega Man Anniversary Collection) Pixelgenau in der 240p Auflösung laufen und somit gut als Referenz zum NES hergenommen werden kann.

Als Testobjekt steht eine 20 Jahre alte Grundig Röhre und eine Scart Umschaltbox. Da sich im TV keine zusätzlichen Features befinden, ist es möglich zwischen den angeschlossenen Konsolen im Betrieb schnell umzuschalten um Farbabweichungen gut feststellen zu können.

NES via Composite Video

NES via PC10 PPU RP2C03B

Playstation via RGB

New RGBNES Mod „Natural“

New RGBNES Mod „Improved“

NEW RGBNES Mod „Garish“

Sonderfall: Playchoice Farbpalettensystem

Die Farbpaletten der Playchoice 10 PPU sind mit der PPU vom C1 (ein Fernseher von Sharp mit eingebauten Famicom), dem Famicom Titler und einigen PPUs in den VS. Unisystem Spielen identisch. Die genauen Bezeichnungen der Chipnummern erspare ich mir an dieser Stelle, da ich sie zu einem späteren Zeitpunkt in einen gesonderten Artikel genauestens auflisten werde. Die o.g. PPU Chips wurden über viele Jahre für den RGB Umbau hergenommen.

Auf der RGBNES Platine ist diese Palette als „Garish“ bezeichnet (Jumper Nummer 1). Der sog. Grau/Schwarz-Fehler wurde behoben. Am Beispiel von Totally Rad wird der Hintergrund im ersten Level bei der PC10 RGB PPU fälschlicherweise in schwarz statt grau angezeigt. Nur wenige Spiele wie z.B. Magician die mit dem RGB fähigen PPUs und dem Famicom Titler inkompatibel sind, können jetzt mit dem neuen Umbau gespielt werden.

Einige Farben im Garish-Mode sind im Kontrast leider etwas zu dunkel ausgefallen. Im direkten Vergleich zur einer Scph-1002 Playstation (die ab Werk einen RGB Ausgang hat) und der PC10 RGB PPU ist z.B. der blaue Hintergrund im Levelauswahlbildschirm von Rockman 3 oder der grüne Kopf von Snake Man etwas zu dunkel geraten. Ohne direkten Vergleich wird man allerdings kaum Farbunterschiede bzw. Abweichungen feststellen können.

Inkompatibilitäten:

Duck Maze wird teilweise nur in der normalen Video Bildqualität dargestellt, obwohl nach wie vor ein RGB-Signal ausgegeben wird. Das russische Morskoy Boy kann größtenteils nur in schwarz/weiss wiedergegeben werden. Der Grund liegt an der schlampigen und abweichenden Programmierung der beiden nicht zulässigen Spiele. Weiterhin verliert man im „Garish-Mode“ Details in der Hintergrundgrafik der Napalm Man Stage (Mega Man 5). Das ist allerdings kein direkter Fehler, sondern hängt mit dem Farbpalettensystem zusammen.

Fazit:
Sollte man bereits ein NES oder Famicom auf RGB Umgebaut haben, muss man sich gut überlegen, ob sich ein „Umstieg“ überhaupt rentiert, wenn man mit der Bildqualität sonst zufrieden ist. Die paar Ausnahmen, die mit der PC10 PPU inkompatibel sind, rechtfertigen kaum die Ausgaben für den neuen Umbau.

Ganz anders sieht es bei einer Neuinvestition aus: Hier sollte man dann doch das NES bevorzugt mit der NESRGB Platine umbauen. Zusammengefasst kann man sagen, dass man den Umbausatz vom Tim bedenkenlos kaufen kann.

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Kommentare
  1. Ploflo sagt:

    Wo kann man das Set von Tim kaufen?

  2. Alex sagt:

    Und wo kann man es kaufen?

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