Japan 2013

Veröffentlicht: 19. November 2013 in Retrogames

Nachdem der große Umzug fast vollendet ist, wird es Zeit die Themen der vergangenen Monate nachzuholen. Sony hat die PS4 bereits in Amerika ausgeliefert und am kommenden Freitag wird die XboxOne im Handel erhältlich sein. Mit den hohen Vorbestellerzahlen der beiden Konsolensysteme wurde wieder einmal der Rekord gebrochen. Unabhängig davon boomt seit 2-3 Jahren ein kleiner Nischenmarkt: Die Nachfrage an alten 8- und 16-Bit Konsolen ist größer geworden.

Das müssen auch die interessierten Käufer feststellen. Spiele, die vor nicht allzu langer Zeit noch für wenig Geld über die virtuelle eBay-Ladentheke gehen, werden derzeit für Unsummen ersteigert. Wie lange die Hochpreisphase noch andauert ist schwer einzuschätzen. Vor 2015 werden die Preise vorerst nicht runtergehen.

In Japan ist der Trend seit dem Game Center CX Episoden ebenfalls nicht zu übersehen. Auch kleine Läden, die eigentlich keine Videospiele führen, verkaufen Famicom Clones und zum Teil lose Module.

Preislich hat sich beim Famicom in den letzten Jahren nicht viel getan, sieht man einmal davon ab, dass nur vereinzelte Spiele aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen im Preis explodiert sind. So muss man für ein Rendering Ranger inzwischen 79.000 Yen hinblättern (das doppelte als noch vor 3 Jahren) oder auch Gimmick! für das Famicom ist von 7.500 Yen auf 32.000 Yen gestiegen. Die interessantesten Super Famicom Spiele wurden im Preis verdoppelt, sind aber immer noch billiger als auf eBay (besonders im Vergleich zu den nahezu unverschämten Sofort-Kauf Festpreisangeboten).

Einen Preisverfall sah man vor allem bei der Famicom Version von Metal Slader Glory sowie vielen Sega Dreamcast und Saturn Spielen.

Akihabara:
Zu Akihabara gibt es nicht viel zu schreiben, was ich in den vergangenen Jahren schon geschrieben hatte. Complex, Friends und Retro Game Camp sind unverändert, im großen Trader an der Chuo-Dori wurde lediglich das Sortiment bei den alten Systemen zugunsten von US Importen um 15% reduziert.

Super Potato hat derzeit leider nur noch Ramsch. Raritäten werdet Ihr dort nicht mehr viele finden, was sicher auch daran liegt dass er im Ankauf schlechter zahlt als die Konkurrenz. Ganz hart betrifft es die Liberty Läden: Dort gibt es so gut wie keine alten Systeme mehr und generell sieht es dort mit Videospielen nicht gut aus. Auch die Läden Messe Sanoh und Game Hollywood sind Geschichte. Ebenfalls gibt es den DS Time (ein kleiner Straßenverkauf mit Videospielen, gleich neben der Zugbrücke) nicht mehr. Ich vermute, dass die Geschäftsaufgabe mit Altersgründen der Inhaber zu tun hatte.

Neu hinzugekommen sind zwei Mulan Läden. Einer an der Chuo-Dori, der andere hinterm Trader 2, der auch ein paar alte Spiele im Sortiment führt. Ein großes Gebäude zwischen dem Bahnhof und Media Land, wo früher viele kleine Geschäfte waren, wurde abgerissen. Dadurch sind momentan wichtige Verkaufsflächen nicht vorhanden. Weitere große Veränderungen konnte ich nicht feststellen.

Mein persönliches Fazit im Juni 2013:
Wer in den vergangenen Jahren öfters in Akihabara war, wird bezüglich Videospiele sehr enttäuscht sein. Es gibt für die aktuellen Systeme so gut wie keine interessanten Schnäppchen mehr. Man findet fast nur noch Geschäfte mit Tablets, Handys, Tradingkarten und AKB48 Bilder.

Gameshopping in Tokyo und anderen Städten:
Weil es derzeit in Akihabara für Videospiel interessierte Käufer nicht viel gibt, wird die Kohle eben in anderen Stadtteilen Tokyos und Bezirken ausgegeben. Schließlich will man nicht mit leeren Händen nach Hause kommen.

Nakano und Ikkebukuro:
Der Galaxy gehört seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsgeschäften. Diesmal hatte er sehr viele Originalverpackte Famicom Spiele zur Auswahl dagehabt. Die Preise sind bis auf wenige Ausnahmen akzeptabel.

In Ikkebukuro konnte ich bis auf dem neuen Super Potato kein anderes Geschäft mit Videospielen finden. Die Auswahl ist natürlich kleiner als in Akihabara und Osaka, aber man kann dort viel entspannter einkaufen, weil eben nicht viel los ist. Hoffentlich hält er sich.

Famicom Clubhouse in Itabashi-Ku:
Gleich zu Beginn erklärte mir der Shopinhaber, dass die Preise nach dem Zustand der Spiele steigen *höhö* Und zwar in einem Preisniveau, dass man dort sicher kein Schnäppchen machen wird.

Trotzdem hatte er ein paar Spiele auf Lager gehabt, die es woanders nicht gab. Ich habe dort ein Soulbrain für das Famicom gekauft und war lange am überlegen mir eines der neuen Guardic Gaiden (in Europa als „The Guardian Legend“ bekannt) mitzunehmen, was ich aber letztendlich wegen den hohen Preis dann doch liegengelassen hatte.

Mit einen großen Neuwaren Lagerbestand von z.B. Famicom Robotern oder AV Famicoms beliefert das Famicom Clubhouse (soweit ich es verstanden habe) als Zwischen/Großhändler hauptgeschäftlich an kleinere Läden.

Das Famicom Clubhouse zeichnet die Spiele und Systeme in der Regel selten mit einem Verkaufspreis aus. Für Sammler mit dicker Brieftasche, die unbedingt Neuware haben möchten, sind die Preise im Verhältnis zu dem derzeit niedrigen Yen-Kurs gemessen an den momentanen Preisen auf eBay im gerade noch akzeptablen Bereich. Der Shopinhaber ist übrigens sehr freundlich und jeder Besucher erhält ein kleines Geschenk.

Kyushuu:
Auf der Insel Kyushuu war ich noch nie und habe dort für zwei Nächte in einem anderen Hotel verbracht. Leider habe ich es zeitlich nicht überall geschafft, aber trotz allem konnte ich dort ein paar billige Spiele abstauben. Gleich im ersten Book-Off musste ich bei jeweils 500 Yen (ca. 4 Euro) für ein OVP Rockman 7 & Rockman X3 zuschlagen, obwohl ich die Spiele bereits schon besitze. Im Gegensatz zu eBay gibt es also in Japan immer noch das ein oder andere Schnäppchen zu ergattern…

Hobby & Toys 007:

Nur wenige Stationen vom Hotel entfernt, befindet sich ein Spielwarengeschäft in der Nähe vom Flughafen. Der Laden ist für Sammler nicht zu empfehlen, da dort fast ausschließlich nur durchschnittliche Titel und lose Module mit großen Gebrauchsspuren angeboten werden. Das Geschäft wurde erst kürzlich zu Manga Souko umbenannt.

Manga Souko:

Obwohl dort die Auswahl groß ist, wird auch hier für Sammler nichts Besonderes angeboten.Dennoch konnte ich im Gegensatz zu Hobby & Toys 007 vereinzelte Schnäppchen machen.
Leider ist der Laden sehr umständlich zu erreichen, das sich die Hinfahrt nur lohnen würde wenn man die Route vorab richtig einplant.

Retro Town:

Hier kommen wir an einen entscheidenden Punkt: Es gibt nämlich einen großen Unterschied zwischen Quantität und Qualität. Was nützt mir ein Laden mit tausenden Spielen, wenn man dort nur lose Pachinko, Baseball, Street Fighter 2 und Derby Stallion Module findet ? Ganz so schlecht war das Angebot auch wieder nicht, aber man hatte mehr erwartet.

Originalverpackte Spiele in Pappschachtel (FC, FC & N64) waren oft in keinen guten Zustand zu finden. Wer aber nicht unbedingt eine Originalverpackung braucht, der bekommt ein paar gute Spiele zum niedrigen Preis.

Bei PC-Engine, Mega Drive, Sega Saturn und Dreamcast Spielen konnte ich nur durchschnittliche bis mäßige Titel finden. Die Auswahl an PSone Spielen ist hingegen Gigantisch – In den Regalen sind gleich mehrere Exemplare von einem Titel (mit und ohne Obi) vorhanden. Die Preise liegen ebenfalls unter den Preisen der Läden in Akihabara.

Zusammenfassung:
Wer einen Japan Railpass besitzt und die Reiseroute richtig einplant, kann auf Kyushuu durchaus ein paar interessante Spiele bekommen. Wer nur wenig Zeit hat, beschränkt sich auf die beiden Mandarake Läden in Fukuoka City und Kitakyushuu.

Osaka, Nihonbashi:
In einer Seitenstraße, wo auch der Sofmap zu finden ist, wurde kürzlich ein neuer Super Potato eröffnet (Adresse und Karte siehe Webseite) der sich ausschließlich auf Retro Spiele spezialisiert hat. Das Geschäft hat verhältnismäßig breite Gänge, ist sehr ordentlich eingerichtet und die Auswahl ist groß. Man findet dort auch noch New Oldstock wie z.B. Yoshis Safari für 100 Yen (umgerechnet ca. 80 Cent) oder das bekannte N64 Sortiment, das es vor ein paar Jahren noch in Akihabara zu kaufen gab.

Nagoya:
Nagoya war und ist auch heute noch ein „Nebenschauplatz“ wenn es darum geht alte Spiele zu kaufen. Den Access Field und Dolphin gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr. Das K-House (ein kleiner Schallplattenladen mit Videospielen) ist unverändert geblieben. Interessant ist hingegen Maikoya. Dort habe ich u.a. ein Dae Appare Ichiban für das Super Famicom im 1A Zustand bekommen. Die Preise sind bis auf dem Mandarake leider höher als in Tokyo und Osaka.

Bild 1: K-House, Bild 2-4: Maikoya

Mandarake:
Mandarake ist der größte Manga- und Anime Shop, die je nach Filiale auch eine Videospielabteilung führen. Fotos machen ist dort leider nicht erlaubt, deshalb meine persönlichen Erfahrungen:

Tokyo, Shibuya: Leider schon vor 3 Jahren nicht mehr interessant gewesen.
Tokyo, Nakano (Galaxy): Sehr schönes Geschäft mit toller und gepflegter Auswahl. Die Spiele sind größtenteils im gutem bis sehr guten Zustand. Nebenbei: Im Broadway-Center gibt es noch zwei andere Videospielgeschäfte.
Tokyo, Akihabara (Complex): Sortiment ähnlich wie im Galaxy.

Osaka, Umeda Station: Nur sehr wenige Spiele zur Auswahl, diese sind aber in einen guten bis sehr guten Zustand. Weil der Laden recht praktisch in der Nähe vom Bahnhof liegt, kann man auf dem Rückweg kurz vorbeizuschauen.
Osaka, nähe Nihonbashi (Grandchaos): Mehr Spiele als in Umeda, aber oft in keinen guten Zustand und relativ teuer. Die Raritäten in den Vitrinen sind durch die Leuchtstoffröhren komplett ausgebleicht. Zur Neueröffnung vor 5 Jahren hatte Grandchaos nicht alle Systeme im Sortiment gehabt, war damals aber noch wesentlich besser sortiert. Ohne einer Karte und detaillierten Adresse ist das Geschäft nicht zu finden. Selbst dann muss man mindestens eine Stunde zusätzlich einplanen. Leider eine Zeitverschwendung dort hinzugehen – Es lohnt sich wegen 2-3 Spielen nicht.

Fukuoka: Auswahl ähnlich wie in Tokyo. Die Spiele sind in einem schönen Zustand und teilweise zu guten Preisen zu bekommen. Ein Teil der Raritäten in den Vitrinen sind von den Leuchtstoffröhren ausgebleicht.
Kitakyushuu: Von der Hakata Station fährt man mit dem Shinkansen ca. 15 Minuten. Gleich direkt am Bahnhof befindet sich ein neuerbautes Anime Center mit vielen Shops. Die Auswahl ist ebenfalls gut, aber schlecht sortiert (d.h. zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes kaum interessante Spiele) und oft in keinen guten Zustand. Alle Raritäten in den Vitrinen sind von den Leuchtstoffröhren ausgebleicht.

Nagoya: Weniger Auswahl als in Tokyo, aber wesentlich mehr als zusammen die beiden Mandarakes in Osaka. Der Zustand von dem Spielen ist gemischt von starken bis kaum sichtbaren Gebrauchsspuren. Raritäten sind dort etwa 15% billiger zu bekommen als woanders.

Zusammenfassung:
Trotz Abwärtstrend gibt es in Japan nach wie vor sehr viele Geschäfte mit Videospielen. Was erstaunlich ist, dass Super Potato erst vor ca. einen Jahr zwei neue Gameshops aufgemacht hat, die fast nur alte Spiele im Sortiment haben. Für klassische 8 und 16-Bit Videospielkonsolen ist also noch ein großer Markt vorhanden.

In Akihabara gibt es durch die fehlenden Verkaufsflächen derzeit nicht viel, wer sich etwas länger in Japan aufhält und sich in anderen Städten umschaut, wird sein Geld trotzdem schnell los.

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Kommentare
  1. pac sagt:

    Vielleicht sollten wir beide mal bei einer unserer nächsten Reise zwei oder drei Tage zusammentrefen und das Land mit dem Railpass unsicher machen.

    Allein so eine Fahrt nach Fukuoka dauert doch sieben, acht Stunden.

    Vielleicht kriegen wir auch Karten für ein AKB/SKE/HKT/NMB-Theater?

    • mbrandel sagt:

      Die Fahrzeit inkl. Umsteigen in Osaka war insgesammt 6 Stunden mit den Hikari & Sakura Shinkansen. Spätestens im Herbst 2014 fliege ich wieder nach Japan, da können wir sicherlich ein Treffen organisieren ;) Fukuoka City ist eine schöne Stadt, es lohnt sich dort hinzufahren.

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