Nintendo 3DS XL (Vergleichstest)

Veröffentlicht: 19. August 2012 in Videogames

Nintendo hat mit seiner Modellpolitik den Kunden nicht unbedingt einen Gefallen gemacht.
War der DSlite noch eine nachvollziehbare schicke Designüberarbeitung, um gleichzeitig für den Massenmarkt Gehirnjogging und Co. schmackhaft zu machen, wurden in letzter Zeit viel zu schnell neue Modelle auf dem Markt geworfen.

Kaum war ein Modell auf dem Markt, wurde nach 12-18 Monaten bereits das nächste eingeführt. Seit dem DSi war nichts mehr 100%ig mit allen DS Geräten kompatibel. Wegen dem fehlenden GBA Slot konnten einige DS Spiele mit Zubehör nicht mehr genutzt werden oder Slot-1 DSi Spiele liefen nicht mehr auf älteren Geräten.

Obwohl die große Nintendo DS bzw. DSi Version erst 5 Jahre nach dem Ur-Modell auf dem Markt kam, wurde völlig überraschend am 22. Juni eine 3DS XL Variante angekündigt, die noch zu einen ungewöhnlichen Zeitpunkt erscheint, wo die Kundschaft bekanntlich unter der Sonne im Freibad liegen oder in südliche Länder verreist sind.

Eigentlich eine gute Nachricht: Endlich erscheint in Europa ein Spielsystem am gleichen Tag wie in Japan. Ein langjähriger Kunde von Produkten der Firma Nintendo und die Fachpresse stellt sich jetzt die Frage, warum bereits nach so einer kurzen Zeit ein Modell mit größeren Bildschirm auf dem Markt kommt, bei dem der erwartete zweite Analogstick weiterhin fehlt.

Sich damit zu beschäftigen, warum und weshalb Nintendo nicht bis nächstes Jahr warten konnte, bringt gar nichts. Interessant ist es hingegen, das die offizielle Ladeschale mit integrierten Netzteil erst am 24. August und das Circle Pad Pro XL im Oktober erscheinen wird. Die nicht rechtzeitige Versorgung von Zubehör kann man nun wirklich nicht mehr schönreden…

Lieferumfang:


Die Händler sind auf diesen Herrn in der Sicherheitsweste nicht gut zu sprechen.

Mehr als das Gerät, eine 4GB SD-Karte sowie die 6 AR-Karten und Bedienungsanleitungen sind in der gerade mal 18x13x5,5 cm kleinen Packung nicht enthalten. Das Netzteil und die Ladeschale muss man sich also separat besorgen. Der spärliche Lieferumfang verärgert die Händler noch mehr als den Endverbraucher. So manch ein Abteilungsleiter der Flächenmärkte war (trotz vorheriger Ankündigung seitens Nintendo) völlig überrascht, das zum Lieferumfang kein Netzteil enthalten ist. Dadurch weil keine Ersatznetzteile vom normalen 3DS auf Lager waren, mussten interessierte Käufer wieder nach Hause geschickt werden weil die offiziellen Netzteile erst in der darauffolgenden Woche nachgeliefert wurden.

Überhaupt sind die mir bekannten Drogerie Müller- und Media Märkte wegen der vor etwa einen Jahr geänderten Garantie- und Reparaturbestimmungen seitens NOE nicht mehr so erpicht, Nintendo Hardware zu verkaufen. Aus diesem Grund wurde mir in einer Media Markt Filiale sogar vom Kauf von Produkten der Firma Nintendo abgeraten.

Inzwischen werden nicht nur beim 3DS, sondern auch bei der PS Vita einige Spiele ohne Spielanleitung ausgeliefert. Die offizielle Begründung bei Nintendo liegt darin um das Papiervolumen zu reduzieren. Dass beim 3DS und 3DS XL alleine die verschiedensprachige Bedienungsanleitung wesentlich mehr als das eigentliche Gerät wiegt, scheint der Umweltschutzabteilung von Nintendo wieder nicht zu stören.

Logistisch gesehen ist es natürlich einfacher, für Europa eine einheitliches Verkaufsvariante für das Gerät (Verpackung und Bedienungsanleitung) zu produzieren. Die mir bisher drei bekannten unterschiedliche Auslieferungen in den Bezeichnungen EUA (z.B. für Deutschland, Frankreich…), EUB für Italien und UKV für Großbritannien ist ein eindeutiger Widerspruch.

Fazit: Betrug an den Endkunden und ein eindeutiger Minuspunkt

Design:

Beim 3DS XL wurde das Hochglanzdesign vom 3DS verworfen und man orientiert sich optisch wieder an die älteren DS und DSi Modelle. Äußerlich sieht das Gehäuse in der metallischen Farbausführung sehr schick aus, als hätte sich Nintendo an die Oberfläche einer Autokaroserie inspirieren lassen. Klappt man das Gerät auf, ist der erste Eindruck enttäuschend. Das Plastik erinnert so manch einen an das minderwertige Gehäuse der E1000 PSP.

Fazit: Geschmackssache. Der normale 3DS hinterlässt trotz allem den hochwertigeren Eindruck.

Bedienung:
Der 3DS liegt wegen der Größe eindeutig besser in der Hand, ist aber nicht für alle Kinderhände geeignet. Die Home-, Start- und Select Tasten sind wesentlich besser als die Folientaster des Vorgängers und sind sehr gut zu erreichen. Den An/Aus Taster hätte man aber wie beim DSlite auf die Seite verlegen können. So betätigt man (gewöhnungsbedingt von anderen Konsolen) immer noch ab und zu versehentlich den An/Aus Taster, obwohl man die Start Taste drücken wollte.

Fazit: Im großem und ganzen eindeutig ein Pluspunkt.

Bildschirmgröße und Größenvergleich in der Abwärtskompatibilität.
Die beiden Bildschirme sind etwa 90% größer als beim 3DS. Der untere Touchscreen ist im Vergleich zum DSi XL ein paar wenige Millimeter kleiner, macht sich in der Praxis aber nicht bemerkbar. Normale DS Spiele werden durch die Skalierung etwas softer dargestellt. Im 1:1 Pixelmodus (Select Taste beim Booten gedrückt halten) entspricht die Bildgröße in etwa dem des DSi.

Fazit: Für 3DS Spiele ein Pluspunkt, war aber auch nicht anders zu erwarten. Wer für normale DS Spiele das bestmöglich größte Bild haben möchte, braucht noch zusätzlich einen DSi XL.

Helligkeit des Bildschirms:
Der 3DS XL bietet wie schon der normale 3DS einen Energiesparmodus und 5 Helligkeitsstufen zur Auswahl. Allerdings ist das XL Modell einen kleinen Tick dunkler. Auch gibt es keine weitere Helligkeitsstufe bei angeschlossenem Netzteil wie man es vom 3DS kennt. Der Bildschirm (vor allem der obere) weist bei weißer Farbe einen wärmeren, leicht gelblichen Farbton auf. Das ist ungefähr vergleichbar wie bei vielen Flachbildfernsehern mit den Bildeinstellungen der Farbtemperatur Warm (bzw. Normal) und Kalt. In der Praxis fällt der Unterschied kaum auf, wenn man nicht zufällig beide Modelle gleichzeitig im Betrieb hat.

Vergleich oberer 3D Bildschirm 3DS und 3DS XL: Stellt man beim XL Modell den Regler auf die 3D Darstellung, wird der gelbliche Farbton reduziert.

Vergleich unterer Touchscreen: Das erste Bild ist vom normalen 3DS, das untere vom 3S XL.

Fazit: Minuspunkt und der einzige wirkliche Nachteil des 3DS XL.

Blickwinkel und Entspiegelung:
Für die 3D Darstellung muss der 3DS in einen bestimmten Blickwinkel gehalten werden damit es zu keinen Doppelbildern kommt. Diesbezüglich gibt es keine Verbesserung: Der Blickwinkel ist genauso gut oder schlecht wie beim alten Modell. Bedingt durch das größere Display sind die Wellen im Bild etwas stärker, dafür spiegelt das Display viel weniger.

Fazit: Unentschieden

In eigener Sache…
Es ist schon sehr bemerkenswert dass die bekannten Internetseiten und Printmedien, die den 3DS XL schon vor dem Erstverkaufstag ausgiebig testen konnte, auf zwei wesentlichen entscheidende Punkte (Bildschirmhelligkeit und Farbton) nicht darauf eingegangen sind. Dies lässt Schlussfolgen, dass sich die Presse mit dem Gerät nicht ausgiebig beschäftigt hat.

Welchen Sinn ergibt es, knapp 3 Wochen nach Verkaufsstart noch einen Test nachzureichen ? Erstens geht der Hardwareverkauf erst jetzt mit New Super Mario Bros. 2 richtig los, weil dann auch so langsam das Zubehör wie die offizielle Ladeschale mit integriertem Netzteil in den Handel kommt und zweitens bin ich als Privatperson nicht dazu verpflichtet über etwas zu schreiben wenn man mir kein Gerät zum Testen zur Verfügung stellt, auch nicht mal leihweise.

Die Frage aller Fragen…
Lohnt sich für Besitzer eines 3DS der Umstieg auf dem großen 3DS XL ? Das kommt darauf an, inwiefern einen der größere Bildschirm wichtig sind und ob man sein kleines Modell überhaupt innerhalb der kurzen Zeit mit sehr viel Verlust verkaufen möchte.

Ich konnte vor einen Jahr den 3DS bereits vor der offiziellen Preissenkung zum niedrigeren Verkaufspreis erwerben und bekam dadurch noch die 20 kostenlosen Spiele aus dem Botschafterprogramm. Ob man die alten Spiele jetzt wirklich haben muss sei dahingestellt.

Auf das neue XL Modell bekam ich 20 Euro Preisnachlass durch eine verlängerte Rabattaktion. Die Preisdifferenz was ich nach dem Verkauf meines alten 3DS noch zur größeren XL Version draufzahlen musste ist niedriger als hätte ich die Geräte zum Normalpreis erworben.

Wer damals über 200 Euro für den 3DS bezahlt hatte, macht meiner Meinung zuviel Verlust um auf den großen 3DS XL umzusteigen. Man sollte das Gerät vor dem Kauf ausgiebig testen, mit den normalen 3DS vergleichen und erst dann entscheiden ob einen der größere Bildschirm dem Aufpreis Wert sind.

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Kommentare
  1. Gast sagt:

    Einiges an Unfug hier…

    Hier wird behauptet die Ladeschale und das Netzteil muss man sich separat besorgen.

    Die Ladeschale braucht man überhaupt nicht! Nur das Netzteil (wenn man noch keines vom DSi, DSiXL oder 3ds hat) für ca 7€. Steht überall auf der Packung drauf.

    Der XL ist auch definitiv der Höherwertige. Das hat auch nichts mit Geschmack zu tun, wie es hier suggeriert wird und im Anschluss dann doch behauptet wird der normale 3DS macht den höherwertigen Eindruck.

    Warum wird das Display als Minuspunkt hingestellt? Nur weil es wärmer abgestimmt ist, als der „zu kalte“ 3DS?

    • mbrandel sagt:

      Richtig, die Ladeschale ist optional und braucht man normalerweise nicht, wird aber trotzdem separat mit Netzteil für 24,99 Euro angeboten. Nur das Netzteil kostet 9,99 Euro (Originalzubehör). Beim Umstieg vom kleinen 3DS auf das XL Modell müssen sich viele Käufer zwingend ein Netzteil dazukaufen, weil in der Regel das alte Gerät verkauft wird.

      In Amerika ist das Netzteil bereits im Lieferumfang mit dabei, in Europa hingegen ein mehrsprachig dickes Bedienungsbuch. Was ist Zweckmäßiger für den Endverbraucher ?

      Das Design selbst ist Geschmackssache. Die Qualität des Gehäuses – vor allem die Innenseite – sieht beim „kleinen“ 3DS höherwertiger aus. Nichts anderes habe ich festgestellt.

      Tatsache ist das Display eine Ecke dunkler und der 2D Modus hat einen anderen Farbton als die 3D Darstellung. War beim alten Modell definitiv nicht der Fall.

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