Nintendo 3DS (Nachträglicher Bericht)

Veröffentlicht: 19. August 2012 in Videogames

Ein Jahr und vier Monate nach der Markteinführung wird es nun endlich Zeit ein wenig über den 3DS zu schreiben, denn nach Super Mario 3D Land, Resident Evil Revelations und Kid Icarus Uprising gibt es mit New Super Mario Bros. 2 endlich das vierte (zum Vollpreis) kaufenswerte 3DS Spiel.

Durch den schleppenden Verkauf, der mangelnden Auswahl an guten Spielen und des hohen Verkaufspreises zur Markteinführung wurde das Gerät beinahe zum Flop. Nintendo hatte noch rechtzeitig die Notbremse gezogen und den Preis gesenkt. Weiterhin wurden zum Weihnachtsgeschäft 2011 neue Bundles (wahlweise mit Nintendogs & Cats, Mario Land 3D und Zelda Oot 3D) in verschiedenen Farben eingeführt. Außerdem ist seit dem 28. Juli bereits die zweite Generation mit größerem Bildschirm erhältlich.

3DS – Das Handheld im Detail
Der 3DS ist die neueste Handheld Generation von Nintendo und der offizielle Nachfolger der Nintendo DS Familie (in den vier erhältlichen Modellausführungen DS, DSlite, DSi und DSi XL). Der Schwerpunkt des 3DS basiert auf dem Konzept des Virtual Boy mit dreidimensionaler Bilddarstellung – Allerdings ohne 3D Brille und in Farbe.

Nintendo möge mir die Erwähnung des gescheiterten Virtual Boy verzeihen. Trotzdem möchte ich auf eine kleine Gemeinsamkeit hinweisen, denn mit der Anzahl an Zubehörteilen (Lenkrad, Circle Pad und den Tischständer für Kid Icarus Uprising) sowie der geringen Akkulaufzeit, ist der 3DS alles andere als bequem tragbar für unterwegs geeignet. Dennoch ist wie damals der Virtual Boy, der 3DS ein innovatives Produkt. Mit einzigen Unterschied, dass der Virtual Boy zu einen wahrlich schlechten Zeitpunkt erschien, wo er absolut keine Chance auf dem Markt hatte. Nintendo war der Erfolg des Virtual Boys wegen der kurz davor anstehenden N64 Markteinführung dann doch nicht so wichtig und hat das Gerät relativ schnell wieder eingestellt. Der 3DS ist hingegen als offizieller Nachfolger zum DS zu verstehen und soll wesentlich zum Umsatz beitragen.

Damit gleich demonstriert werden kann, für was der 3DS alles fähig ist, liegen im Lieferumfang des 3DS 6 AR Karten bei, mit dem allerhand witzige und beeindruckende Minispiele möglich sind. Bisher nutzen nur wenige Spiele wie z.B. Kid Icarus die AR Karten Funktion.

Die Spiele:
Durch die geänderte Veröffentlichungspolitik seitens Nintendo of Europe gibt es bei Topsellern und Eigenmarken keine Monatelangen Verzögerungen mehr. Auch mit exotischen JRPGs kann seit Xenoblade Chronicles und Co. mit einer Europäischen Version gerechnet werden. Das ist sehr vorbildlich und gibt normalerweise keinen Grund zum Importieren. Trotzdem wird es auch beim 3DS das ein oder andere interessante japanische Spiel geben (z.B. Nekketsu Special), das nicht in Europa erscheint. Durch den eingebauten Regionalcode ist man leider gezwungen, zwei identische Geräte zu kaufen – Ein sehr teurer Spaß. Ob es jemals einen Adapter geben wird der ähnlich funktioniert wie der Gamekey auf dem Super Nintendo ist weiterhin offen und mehr als fraglich ob in dieser Richtung noch etwas erscheint bzw. technisch überhaupt machbar ist.

An die vielfach kritisierten Listenpreise der Spiele hat sich seitdem noch nicht viel geändert, sieht man einmal davon ab, das bisher nur vereinzelte Neuerscheinungen wie z.B. New Art Academy günstiger zu bekommen sind. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es im Handel nur knapp ein dutzend kaufenswerte Spiele. Alles andere ist durch chronischen Spielspaßmangel praktisch untauglich oder sind Umsetzungen die es bereits schon für andere Systeme in besserer Qualität gibt. Das Touchscreenfeature wird von den Entwicklern nicht mehr so intensiv genutzt wie beim normalen DS. Was vorerst bleibt, ist die 3D Darstellung mehr in den Vordergrund zu stellen. Hier kommt es darauf an, ob ein 3D Effekt zum Spielgeschehen überhaupt gut dazupasst oder man den Regler schon nach 10 Minuten zurückstellt um sich auf das Spiel besser konzentrieren zu können.

Spätestens im Herbst wird auch die Softwareflaute ein Ende haben, denn bis zum Weihnachtsgeschäft und über das erste Quartal 2013 sind noch viele Spiele angekündigt, bei dem für jeden Geschmack etwas dabei ist. Einige bereits erschienende Spiele stelle ich nochmals kurz vor.

Streetfighter 4 3D:
Streetfighter 4 3D gehört zu jenen Spielen, die eigentlich überflüssig sind, aber trotzdem kauft sie jeder weil es zur Markteinführung eines Systems kaum Alternativen gibt. Inhaltlich hat sich zur dem bereits erschienenden Versionen für PC und Konsolen nichts geändert. Beim ausführen der Moves gab es bedingt durch die Tasten und Steuerkreuzanordnung des 3DS erhebliche Schwierigkeiten. Überhaupt passen Beat’em-Ups und Handhelds überhaupt nicht zusammen. Wer bereits die Xbox360- oder PS3 Version besitzt kann sich den Kauf sparen. Es sei denn, man bekommt den Titel für 10 Euro oder weniger, denn gesehen haben sollte man es schon. Fazit: 5/10

Super Mario 3D Land:
Was gibt es dazu noch viel zu schreiben ? Super Mario 3D Land bietet überraschenderweise neue Ideen, die Welten sind abwechslungsreich und der Umfang stimmt ebenso. Für geübte Spieler ist der Schwierigkeitsgrad allerdings viel zu niedrig angesetzt. Hinzugekommen ist eine weitere Einstellung in der 3D Darstellung, mit dem der Tiefeneffekt noch deutlicher zu sehen ist. Das Spiel kam gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten um den 3DS Absatz zu pushen. Super Mario 3D Land ist das derzeit für die 3D Hardware beste Jump`n Run. Fazit: 9/10

Resident Evil Revelations:
Resident Evil Revelations ist das erste 3DS Spiel, das in der realistischen 3D Grafikdarstellung auch einen PCler beeindrucken kann. Wegen Monster Hunter Tri-G wurde das Circle Pad Pro entwickelt das natürlich auch bei Resident Evil Revelations unterstützt wird. Aus diesem Grund war für eine kurze Zeit ein Limitiertes Bundle mit dem Circle Pad Pro erhältlich. Das Pad liegt sehr gut in der Hand, ist aber technisch nicht ganz ausgereift da es hin und wieder Fehlermeldungen gab (wird vom System nicht erkannt). Insgesamt wird man den Eindruck nicht los, dass den Entwicklern langsam die Ideen ausgehen. Resident Evil Revelations ist ein gutes Spiel, an die Qualität mancher früheren Teile kommt es nicht ganz heran. Fazit: 8/10

Kid Icarus Uprising:
Als einer der ersten angekündigten 3DS Spiele auf der E3 2010 vergingen fast zwei Jahre bis das Spiel endlich erschienen ist, obwohl man mit einen fast zeitgleichen Release zur Markteinführung des 3DS gerechnet hat. Kid Icarus Uprising zählt zu den wenigen Spielen, wo es sehr unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Deshalb ist es sehr schwierig, Kid Icarus richtig bewerten zu können. Mit dem Extrawaffensystem, der integrierte AR Karten Option und den großen Umfang bietet Kid Icarus Uprising eigentlich alles. Einzig bei der Steuerung schneiden sich die Meinungen: Unspielbar ist Kid Icarus noch lange nicht, in der Praxis hatte ich aber Situationen wo man z.B. von einer Plattform herunterfällt, das mit einer besseren Steuerung und Kameraführung vermeidbar gewesen wäre. Mit den separat erhältlichen Sammelkarten mit AR Funktion erreicht man den magischen Pokemon-Effekt. Die Karten gibt es inzwischen in Italien im 6er Pack für 1,50 Euro zu kaufen. In anderen Europäischen Ländern sind die Karten teilweise als Vorbesteller Bonus als auch über den Club Nintendo erhältlich. Fazit: 7/10

Botschafter Programm und kostenlose Spiele:
Zu den NES Versionen gibt es nicht viel zu sagen. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um alte Spiele, die schon mehrmals auf anderen Nintendo Systemen umgesetzt wurden.
Ganz anders sieht es bei den GameBoy Advance Spielen aus. Nintendo hat eine gute Auswahl für jeden Geschmack getroffen. Metroid Fusion gehört auch zu den besten Spielen für den GameBoy Advance.

Für einen begrenzten Zeitraum gab es noch Zelda Four Swords sowie Kid Icarus 3D Classics kostenlos dazu.

Internetzugang…
Wie bereits bekannt, gab es 20 kostenlose Download Spiele, wenn man vor dem 12. August 2011 (oder besser ausgedrückt: Vor einem Jahr) den eShop besucht hatte. Hier stellte sich ein gewaltiger Schwachpunkt des Gerätes heraus: Bevor die Internetverbindung funktioniert hat, gab es viele Fehlermeldungen. Die Konfiguration für Wlan und Access Point sind für Laien und Kinder zu kompliziert. Auch sonst erhält das Gerät, für das es ein Spielzeug ist, zu viele Konfigurationen und Einstellmöglichkeiten.

Download Spiele werden per Kreditkarte oder über eine Prepaid Karte im Voraus bezahlt. Die Zahlungen per Kreditkarte sind in 10 Euro Schritten möglich. Dies ist wie bei Microsoft ein weiteres und vor allem gewaltiges Manko. Am Beispiel meines ersten Einkaufs hatte ich das Guthaben auf 20 Euro geladen. Shantae und Dark Void Zero kosteten zusammen 17 Euro. Als ich noch den Klassiker Super Mario Land für 4 Euro mitnehmen wollte, hätte ich wegen einem fehlenden Euro das Guthaben nochmals um 10 Euro aufladen müssen. Weil die restlichen 9 Euro möglicherweise für einige Monate totes Kapital gewesen wären, habe ich auf Super Mario Land verzichtet.

Warum es für die Bezahlung der Downloads nach dem angegebenen Preis (der sowieso schon in Euro steht) auch mit einer Kreditkarte keine Möglichkeit gibt, ist mir schleierhaft. Damit wirtschaftet sowohl Nintendo als auch Microsoft das voraus ausgelegte Geld zinslos. In meinen Augen eine Unverschämtheit.

Die im eShop gekauften Spiele sind übrigens an die Seriennummer des Gerätes gebunden. Ein Accountsystem wie bei Sony oder Microsoft gibt es bisher noch nicht. Beim Umstieg auf das neue XL Modell müssen beide Geräte vorhanden sein um die Licensen über das Internet übertragen zu können.Dem interessierten Kunden könnte es aber zum Verhängnis werden, wenn das Gerät kaputt geht. Laut telefonischer Nachfrage bei der Konsumentenberatung werden die Spiele ersetzt, in Internetforen liest man hingegen das Gegenteil. Wegen geänderten AGBs und der bereits erwähnten Seriennummeranbindung sollte man es daher möglichst vermeiden, viel Geld in den eShop auszugeben, bis es eine vernünftige Lösung wie bei den Mitbewerbern gibt.

Vorläufiges Fazit:
Manch einer wird sich jetzt fragen, warum ich erst jetzt etwas über den 3DS schreibe, obwohl die Markteinführung schon über ein Jahr her ist. Das liegt schlicht und einfach daran, dass man ein Spielsystem erst richtig beurteilen kann, wenn es auch die passenden Spiele dazu gibt.

Der 3DS ist eigentlich ein tolles Gerät und die Kritik mit dem beschränkten Blickwinkel in der 3D Darstellung kann ich nicht ganz nachvollziehen weil es momentan technisch nicht besser machbar ist. Einziger Nachteil ist die etwas zu niedrige Auflösung des Displays.

Enttäuschend finde ich hingegen die Technik und Ausstattung. Der fehlende zweite Analogstick ist ein schwerer Designfehler und in der grafische Darstellung übertrifft die Playstation Vita den 3DS um längen.

Obwohl Nintendo inzwischen sehr viele Geräte verkauft hat, wird es interessant wie es in den nächsten 2 Jahren in diesem Geschäftsbereich weiter geht, da inzwischen Apple eine sehr große Konkurrenz ist. Nintendo hinkt mit dem Onlineservice hinterher und muss parallel zur kommenden WiiU Markteinführung mehr bieten, auch wenn es im Nintendo eShop Spiele ab 2 Euro gibt.

Die Frage dürfte nun lauten, welche Zielgruppe Nintendo mit dem 3DS überhaupt anspricht. Dazu muss ich gestehen, das ich keinen blasen Schimmer habe. Die Richtung dürfte sich aber wieder zum Kinderspielzeug tendieren, denn einen Zugkräftigen Titel für Erwachsene wie damals Tetris für den Game Boy oder Gehirnjogging für den DS ist noch in weiter Ferne. In Japan sehe ich hingegen kein Problem. Dort verkauft sich jedes Handheld, für das es ein Monster Hunter Spiel gibt, ein paar Millionen mal.

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Kommentare
  1. Stefan Iro sagt:

    Alles in allem ein sehr schöner Bericht ;)
    Aber Street Fighter IV mit nur 5/10 Punkten zu bewerten ist eindeutig zu wenig.
    Für mich war dieses Spiel DER Kaufgrund!!!

    Natürlich sind die schnellen Tastenkombinationen auf dem Pad der PS3 leichter auszuführen, aber deswegen ist Street Fighter IV noch lange kein schlechtes Spiel auf dem 3DS.
    Und nicht jeder besitzt eine NextGen Konsole so wie du… ;)

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