Gameshopping in New York City

Veröffentlicht: 27. Juni 2012 in Videogames

Normalerweise fliege ich immer nach Tokyo, doch der seit knapp 2 Jahre anhaltende hohe Yen macht eine Reise nach Japan um einiges teurer. Außerdem war ich schon so oft drüben dass ich auch mal ein anderes Land anschauen wollte.

Als großer Fan der Filme „Kevin Allein zu Haus“ und „Kevin Allein in New York“ war für mich New York die ausgewählte Stadt meiner ersten Reise nach Amerika, um zumindest für 5 Minuten die Eingangshalle im Plaza Hotel anzuschauen ;)

New York City bietet genügend Sightseeing und Unterhaltung für 10 Tage, gutes Essen und viele Einkaufsmöglichkeiten, vor allem bei Bekleidung. Selbst für einen Laien ist der Müll mit leeren Schuhkartons und Einkaufstüten in den Gängen meines gebuchten Hotels nicht zu übersehen gewesen. Eine Frau hatte am Internetplatz des Hotels einen Kaufbeleg über 1200 $ für Klamotten von Macys versehentlich liegengelassen. Typische Einkaufstouristen halt ;)

Für mich gab es im Gegensatz zu Tokyo relativ wenig, denn auch wenn New York gerade für Shopping als Reiseziel weltweit sehr beliebt ist, war das Angebot und die Preise bei Elektronik, Computer, Videospiele und Co. nicht die erstbeste Wahl.

Richtig gelohnt hat sich vor Ort der Kauf eines Nintendo DSi XL mit Zubehör für umgerechnet 113 Euro, weil normalerweise für ein Gerät noch hohe Versandkosten aus Amerika anfallen und im Flugverkehr bei der Einreise in die EU für Waren bis 430 Euro (ca. 550 USD) pro Person keine Abgaben bezahlt werden müssen.

Trotzdem spart man sich derzeit nicht viel. Am Beispiel von Max Payne 3 kommt zu dem Verkaufspreis von 59,99 USD noch 8, 875 % Tax hinzu. Somit ist der Endpreis beim derzeitigen Kurs mit Kreditkartengebühr bei umgerechnet 53 Euro. Hierzulande ist das Spiel bei den bekannten Ketten zum Teil schon für 49 Euro zu bekommen. Neuerscheinungen lohnen sich untern Strich kaum in New York zu kaufen, es sei denn sie sind ungeschnitten oder erscheinen erst ein paar Wochen später oder gar nicht in Europa.

Was bietet New York City für Videospieler ? Folgende Locations habe ich besucht:

Best Buy
Best Buy ist so etwas wie Media Markt, nur nicht ganz so gut sortiert. Richtige Schnäppchen gab es in den Wühlkisten so gut wie gar nicht. Die Sonderangebote sind in Europa größtenteils zum gleichen oder niedrigeren Preis zu bekommen.

Überrascht hat mich hingegen, das Best Buy auch gebrauchte Spiele im Sortiment führt. Man stelle sich mal vor, wenn Media Markt und Saturn auf einmal gebrauchte Spiele anbieten. Die Publisher würden sich bedanken, die kleineren Fachgeschäfte können von heute auf morgen schließen und die Gebrauchtpreise werden nur noch von GameStop und der Metro diktiert.

Ganz nebenbei: Bei einer Filiale wollten die mir tatsächlich weismachen, dass der Preis für den DSi XL nur am heutigen Sonntag dem 20. Mai für 129 USD zu haben ist und er am nächsten Tag wieder auf 170 USD erhöht wird. Ob dort verzweifelt versucht wurde, alte Geräte an dem Mann zu bringen oder das Personal einfach unwissend war das es sich um eine offizielle Preissenkung handelt sei mehr als in Frage gestellt. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beiden.

Toys“R“ Us am Timesquare
Toys „R“ Us ist eines der größten Geschäfte für Spielwaren, vor allem in den späten 80er Jahren war Toys „R“ Us der größte Abnehmer bei Spielen und Systemen von Nintendo (siehe Werbeanzeigen in der Players Buyers Guide). Geändert hat sich in den letzten 20 Jahren nicht viel, trotzdem ist die aktuelle Marktsituation selbst für einen Laien unübersehbar. PSP Spiele gibt es nicht mehr im Sortiment und auch von der PS2 sieht man so gut wie gar nichts. Spiele für den klassischen DS gab es hingegen noch zum Überfluss, die wahrscheinlich noch 2 Jahre im Regal stehen werden und auch bei den unverkauften Wii Speak (kostet nur ein paar Dollar) hat sich schon eine dicke Staubschicht angesammelt (kein Scherz, das ist dort tatsächlich so).

In den Aktionen zum Wochenende gibt es z.B. bei ausgewählten Spielen für 19.99 USD das zweite zu halben Preis oder zeitweise beim Kauf eines Handhelds von Nintendo ein Set mit Schutzfolien, Stifte und Cases im Wert von 13.99 USD gratis mit dazu. Durch das zahlreich vorhandene Personal wird man auch mit Kundenandrang sofort und sehr freundlich bedient.

GameStop
GameStop findet man praktisch an jeder Ecke, wo sich eine größere Subway Station befindet.
Obwohl gebrauchte Spiele bei GameStop sehr teuer sind, kann man bei älteren Titeln einige Schnäppchen ergattern. Die Preise der einzelnen Filialen unterscheiden sich teilweise erheblich, deswegen ist ein Preisvergleich ratsam.

Beim Kauf von Neuware ist Vorsicht geboten: Jedes Spiel wird von der Folie entsiegelt und der Inhalt hinter der Theke in Papiersichtfenster Taschen aufbewahrt. Dadurch, das GameStop die Hüllen der geöffneten Neuen Spiele nicht nachträglich in einer Schutzfolie einpacken, weisen sie schon nach kurzer Zeit sichtbare Gebrauchsspuren auf (Schmutz, Löcher in den Covers etc.).

Auf Anfrage, ob noch die und jenen Spiele Originalversiegelt auf Lager wären bekam ich immer nur die Antwort, dass es das letzte Exemplar sei. Ich habe mir dann bei den ein oder anderen Titel stichprobenartig den Inhalt zeigen lassen und musste leider feststellen, dass die Disc auch einige Kratzer vorweisen, obwohl das Spiel als Neuware angeboten wurde. Das bestätigt den vielen anderen Einträgen im Internet, das dem Kunden bewusst gebrauchte Spiele als Neuware angeboten werden. Gesehen, gelacht und gegangen. Mehr kann man zu diesem unverschämten Geschäftgebaren wirklich nicht mehr dazu sagen.

Nintendo World Store am Rockefeller Center
Der Nintendo World Store ist das bekannteste Spieleparadies in Manhattan. Wer jetzt meint, man hätte eine gigantische Auswahl an Spielen und Systemen, irrt sich gewaltig. Nur ein paar wenige Wii, DS und 3DS Titel gab es zur Auswahl, die man für jedes System an zwei Händen abzählen kann – Sonderangebote sucht man vergebens.

Zelda Skyward Sword als Limitiertes Controller Bundle oder Link Crossbow Training gab es noch in ausreichend vorhandenen Stückzahlen zu kaufen. Ansonsten gibt es sehr viele T-Shirts, Tassen, Kappen, Taschen, Wanddekorationen und alles möglich erdenkliche Themenbasierte Merchandising von Nintendo.

Die Ausstellung wurde durch die Renovierung vor knapp 1 1/2 Jahren scheinbar auch geändert, denn den Nintendo AVS (Prototyp des NES) gab es nicht mehr zu sehen. Völlig unverständlich ist auch die Tatsache, dass neben abgegriffenen Originalverpackungen älterer Spiele dort oft nur das lose Modul ausgestellt wurde, das auch nicht mal davor gereinigt wurde.

Insgesamt ist das Geschäft eher für die jüngere Zielgruppe ausgelegt. Für alteingesessene Nintendo Fans trotz großer Auswahl an Merchandising eine Enttäuschung. Da hatten die inzwischen geschlossenen Nintendo Flagship Stores in den Karstadt Kaufhäusern schon wesentlich mehr Spiele zur Auswahl gehabt.

Bookoff
Kennen wir den Namen nicht von irgendwoher ? Bookoff ist eine japanische Kette für gebrauchte Bücher, welche u.a. auch nebenbei Videospiele im Sortiment führen. Die Niederlassung in New York nähe Rockefeller Center bietet neben einheimischen US Versionen sogar japanische Spiele an.

Leider sind größtenteils die Preise für gebrauchte Spiele als zu hoch, auch wenn sich ein paar Schnapper z.B. Ridge Racer 5 für 1 USD (!) im Regal befinden. Da dieses Geschäft wirklich unkompliziert zu erreichen ist, lohnt sich der Besuch allemal, vor allem wenn man dort etwas kauft auch typisch japanisch die Ware in Plastiktüte mit Klebestreifen eingepackt wird.

J&R (Downtown New York)
J&R findet man gleich neben der Brooklyn Brücke und verkauft Cameras, Haushaltsgeräte, Computer, Aktienvernichter, Musikinstrumente und alles erdenkliche an Elektronik in mehreren angereihten Geschäften. In der Videospielabteilung ist das Sortiment auch etwas interessanter als bei Best Buy. So gab es dort noch etwas ältere Titel wie z.B. die Otomedius Excellent Limited Edition oder eine größere Auswahl an Spielen für die PSP. Bei einen Ausflug über die Brooklyn Brücke mit Besuch der Brooklyn Ice Factory ist J&R meiner Meinung auf jeden Fall einen Blick wert.

116 St (grüne Linie, Nord/Östlich von Manhattan)
An dieser Station befinden sich neben GameStop zwei kleine Videospielgeschäfte (Max Gamez und Game Plaza) und schräg gegenüber der Kreuzung ein Elektronikgeschäft mit Videospielen. Etwas weiter zur 3. Avenue, Hausnummer 2158 (nach dem Mc. Donalds) kann man der Game Express zu Fuß relativ leicht erreichen, allerdings hat er nur Neuware im Angebot.

Die Gegend ist vor allem deswegen interessant, weil es hier noch neue Game Boy Advance Spiele zu kaufen gibt und die Preise für gebrauchte Spiele etwas niedriger sind. Gekauft habe ich mir dort eine Mega Man Anniversary Collection für 10 USD.

Chinatown
J & L Game Trading Inc. in der Elizabeth Straße führt ein sehr gutes Sortiment mit vielen Importen aus Japan. Der Shop ist ebenfalls nur wenige Meter von „Little Italy“ sehr gut zu erreichen.

Astor Platz
Für Videospielfans ein Pflichtbesuch, denn abgesehen vom K-Mart wo es ab und zu einige günstige Restposten gibt, befinden sich dort zwei Indie Game Shops die praktisch fast nebeneinander liegen und ein unterschiedliches Sortiment führen.

1.) 8 Bit and Up
8 Bit & Up beschränkt sich größtenteils auf gebrauche Spiele und Systeme. Die Auswahl kann sich sehen lassen, auch wenn man dort bei alten Systemen nur wenige Spiele im Sammlerzustand bekommt. In den Schubläden befindet sich z.B. sehr viele N64 Konsolen, die aber soweit ich es verstanden habe (noch) nicht zum Verkauf bestimmt sind.

2.) Videogamesnewyork
Videogamesnewyork ist einer der wenigen eigenständigen Fachgeschäfte für Videospiele in Manhattan. Interessant ist der Laden vor allem deshalb, weil man dort immer noch Spiele als Neuware bekommt, die es bei den Ketten schon längst nicht mehr zu kaufen gibt. Egal ob Ersatzteile und Zubehör für die Arcadeautomaten, Importe aus Japan & Europa oder einfach nur das Standardsortiment an einheimischen US Spielen und Systemen. Videogamesnewyork bietet eine sehr große Auswahl an alten und aktuellen Spielen. Für Neuerscheinungen und gebrauchten Spielen werden ganz normale Preise verlangt. Leider sind die seltenen „Out of Print“ Spiele oder Limitierte Editionen etwas teurer als wenn man sie Online kaufen würde, was vor allem daran liegt, dass sich die Monatliche Miete bei dieser sehr kleinen Ladenfläche auf 8000 USD (!) beläuft. Da soll mal einer behaupten, München wäre teuer und unbezahlbar.

Für Sammler geht bei den beiden Shops das Sortiment erst ab den 32-Bit Konsolen richtig los. Super Nintendo Spiele gibt es fast nur noch ohne Anleitung und Verpackung und selbst beim Genesis (Sega Mega Drive) gibt es bei Prozentual gesehen bei weiten viel weniger Originalverpackte Spiele als in Europa.

Fazit:
Wenn man bedenkt, das Amerika mit Abstand der größte Markt für Videospiele ist, finde ich das Angebot und die Preisgestaltung im Vergleich zu Europa etwas enttäuschend. Zumindest gilt das zum jetzigen Zeitpunkt für die Geschäfte, wo ich in New York City war. In den Best Buy, K-Mart oder GameStop Filialen gibt es eigentlich mehr oder weniger fast immer nur die gleichen Spiele wo praktisch kaum oder genauer gesagt gar kein Preisunterschied zwischen den einzelnen Anbietern festzustellen ist, wie man es eigentlich aus Deutschland bzw. Europa kennt. Neuerscheinungen unter dem Listenpreis gab es so gut wie gar nicht.

Richtig gute Schnäppchen waren ebenfalls Fehlanzeige. Vielleicht habe ich bei den „Clearance Section“ Angeboten auch nur den falschen Zeitpunkt erwischt, denn bekanntlich werden Neuerscheinungen im 4. Quartal, die für dem Markt überproduziert wurden, nach dem Weihnachtsgeschäft bis zum Frühjahr abverkauft.

Insgesamt entstand für mich der Eindruck, dass Videospiele größtenteils nur noch in den Supermärkten erhältlich sind und man als Kenner schon langsam spürt, dass sich der Markt in Amerika in die Richtung digitaler Vertrieb entwickelt. Kleine Fachgeschäfte wie Videogamesnewyork oder Game Express sind die Ausnahme.

Der durchschnittliche Gebrauchtzustand von Spielen wie man sie bei GameStop und Co. bekommt (d.h. ab der PlayStation 2) ist auch um einiges schlechter als man es von Deutschland kennt (selbst Flohmarktware ist hierzulande gepflegter). Das erklärt dann auch die hohen Preise auf eBay.com, die für einige ältere gut erhaltene Originalverpackte Exemplare (in der amerikanischen Version) bezahlt werden.

Da fehlt noch was…

Gerne hätte ich auch etwas zu Sudden Impact geschrieben, nur war an dem Tag wo ich in Boston war der Laden leider geschlossen. Von der Station „State“ mit der blauen Linie in etwa 10 Minuten zur Station „Orient Heights“ und mit dem Bus 713 (der gleich im Anschluß auf die S-Bahn wartet) weitere 10 Minuten bis zur Polizeistation in Winthrop ist Sudden Impact sehr gut zu erreichen. Auch wäre ich gerne den Digitpress Store in New Jersey und einige GameChamp Filialen gefahren, für die aber die Zeit nicht mehr gereicht hat.

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