Thema Gebrauchtspiele

Veröffentlicht: 21. März 2012 in Videogames

In fast regelmäßigen Abständen äußert sich ein Entwickler oder eine Vertriebsfirma negativ über den angeblich Geschäftsschädigenden Gebrauchtspiele Markt. Die Empörung der Endverbraucher und der darauffolgenden Diskussionen lassen sich auf mehreren Büchern hinschreiben.

Was sind überhaupt gebrauchte Videospiele ?

Ein gebrauchtes Spiel ist eine Ware, die „2nd Hand“ vom Vorbesitzer erworben wurde. Im Vergleich zu einen gebrauchten Auto oder Klamotten gibt es bei dem Erwerb eines gebrauchten Spieles -bei sorgfältiger Handhabung- in der Funktion keinen Nachteil bezüglich Verschleiß oder Abnutzung. Sieht man mal vom optischen Zustand des Datenträgers (z.B. Fingerabdrücke auf einer Disc) ab. Während am Beispiel bei Schuhen, die nach mehrmaligen tragen abgenutzt sind und in die Mülltonne wandern oder ein Auto nach einen gewissen Kilometerstand gewartet werden muss, entfällt der begrenzte Nutzungszeitraum bei Medien aller Art (Bücher, DVD`s, Figuren etc.). Mit anderen Worten: Auch nach mehrmaligen durchspielen sind noch alle Informationen auf dem Datenträger erhalten.

Gebrauchte Spiele haben im wesentlichem zwei Vorteile: Sie sind in der Regel günstiger als Neuware und man kann auch noch zu einen späteren Zeitpunkt einen „Out of Print“ Titel erwerben, den es nicht mehr im offiziellen Handel zu kaufen gibt.

Soviel zur Theorie. In der Praxis bedeutet dies, dass es neben Flohmärkten und Kleinanzeigen in der Kurz & Fündig (wo schon vor dem eBay- und Amazon Zeitalter gefeilscht wurde) auch kleine Läden gibt, die sich mit den An- und Verkauf von gebrauchten Videospielen spezialisiert haben.

Grundsätzlich gibt es dafür zwei verschiedene Verkaufskonzepte: Die einen verkaufen ausschließlich Gebrauchtspiele, die anderen bieten neben dem Sortiment von aktuellen Spielen auch den An- und Verkauf von Gebrauchten Spielen und Systemen an. Das angekaufte Spiel wird dann schließlich teurer im Laden ausgezeichnet, denn der Händler will abzüglich der Unkosten (Ladenmiete, Mehrwertsteuer etc.) auch noch etwas daran verdienen. Schwarze Schafe, die Kunden beim Ankauf übers Ohr hauen gibt es in jeder Branche.

Kein Fachhändler kann sich aufgrund geringem Gewinnspannen bei Neuware leisten, sich ausschließlich auf Vollpreisprodukte zu spezialisieren, selbst wenn er ein erweitertes Sortiment an Einzelbestellungen auf Kundenwünsche, Importen aus UK und Sonderposten führt.

Japan:

In Japan ist der Handel mir Gebrauchtgütern aller Art am größten. Ganze Ketten haben sich darauf spezialisiert. Das geht von Büchern, Radios, Spielzeug, Modellbau und Klamotten bis zu unbezahlbar teuren Puppen und Figuren. Auch alte und defekte Geräte zum Ausschlachten für Bastler findet man in den sog. Recycling Shops z.B. bei Hard Off.

Kurz vor der Jahrtausendwende waren gebrauchte Spiele bereits der Industrie ein Dorn im Auge. Nach mehreren Instanzen konnte ein Verbot nicht durchgesetzt werden. Trotzdem hatte es seine Wirkung gehabt, zumindest gab es für einige Zeit keine gebrauchten Spiele für aktuelle Systeme bei Sofmap zu kaufen.

Läden mit An- und Verkaufsmöglichkeiten findet man in den Ballungsgebieten Japans an jeder Ecke. Eine große Anzahl davon findet man unter anderen in Akihabara (Zentrum Tokyo) oder in Nihonbashi (Shin-Osaka, Namba Station).

Oft haben die Geschäfte eine eigene Etage nur für den Ankauf von Gebrauchtware. Videospiele, CDs oder Filme werden in Folie eingepackt und mit einem Sticker (Hinweis auf 2nd Hand Ware) versehen. In einigen Läden wird sogar der Zustand der Gebrauchtware nach Einstufungen wie z.B. mit geringen Gebrauchsspuren, durchschnittlichen Gebrauchsspuren oder starken Gebrauchsspuren gekennzeichnet.

Davon ist GameStop noch weit entfernt. Diese Kette zahlt beim Ankauf von Spielen oftmals viel weniger aus als Mitbewerber und sind hauptsächlich an großen Gewinnspannen bei Gebrauchtspielen ausgerichtet und kaum nach einen breiten Angebot, um möglichst viele Kunden anzusprechen. Spiele für ältere Systeme sucht man ebenso vergebens wie Importe aus dem Königreich. Oft ist dort Gebrauchtware genauso teuer wie ein noch Originalversiegeltes Spiel bei der nächsten Filiale des Drogeriemarkt Müller, die auch Multimedia und Spielwaren im Sortiment führen.

Jeder gut informierte Kunde, der einigermaßen bei Trost ist, müsste doch einen weiten Weg um GameStop machen. Trotzdem läuft das Geschäft trotz Rückzug aus Portugal und Nordirland scheinbar sehr gut und die Industrie schimpft weiterhin auf dem Gebrauchtspiele Handel und will mit kostenpflichtigen Onlinepässen und DLCs am Gebrauchtmarkt mitverdienen oder bestraft mit einmalig einlösbaren Zusatzinhalten (Bat Man: AC) oder nicht löschbaren Spielständen (Resident Evil: The Mercenaries 3D) den ehrlichen Käufer.

Auch wenn die Industrie mit dem Gebrauchthandel schnell einen Sündenbock für Rückgängige Verkaufszahlen gefunden hat, liegt die Wahrheit ganz woanders.

Bei der großen Anzahl an Neuerscheinungen kann sich nicht mehr jedes Spiel in der Stückzahl durch verkaufen wie es die Publisher eigentlich vorgestellt haben. Auch ein Kenner wird sich nicht jeden Titel leisten können. Die Highlights des Jahres werden beim erscheinen zum Vollpreis gekauft und durchgespielt, die zweite Wahl zum späteren Zeitpunkt für entsprechend weniger Geld erworben, die oft über viele Wochen unbespielt im Schrank stehen. Auch mit intensiver Auseinandersetzung wird man einige sehr gute Spiele verpassen. Das betrifft vor allem Spiele, die zum Ende einer Konsolengeneration erscheinen, wo der Nachfolger schon in den Startlöchern steht.

Die Argumentation der Industrie gegen den Gebrauchmarkt ist zunächst nachvollziehbar, löst das Problem trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil: Viele verkaufen Ihre alten Spiele um sich Neuerscheinungen leisten zu können und ganz nebenbei erwähnt wird bei der Verrechnung beim Händler im Tausch auch das ein oder andere neue Spiel mitgenommen das sich unter normalen Umständen nicht verkauft hätte. Mit diesem Geschäftsmodell konnten die Flächenmärkte und der Fachhandel bisher gut miteinander auskommen. Vielleicht ist der Erfolg einer Marke gerade auf diesen schließenden Kreislauf zurückzuführen.

Gebrauchtpreis > Sonderangebote

In Japan werden bereits die ersten Spiele für die Playstation Vita für umgerechnet 13 Euro verramscht und auch hierzulande wurden die ersten Sonderangebote für den 3DS für 10 Euro gesichtet. Ein sehr ungewöhnlich schneller Preisverfall und das auch noch bei Systemen die gegen Raubkopien geschützt sind. Überraschend ist es trotzdem nicht: Die Welle des kurzlebigen Marktes ist zumindest teilweise von England nach Deutschland rübergeschwappt und selbst die normale Kundschaft weis inzwischen ganz genau das ein Spiel, was sich nicht mehr in der „Top 10“ befindet, ganz schnell reduziert werden könnte.

Ungeachtet davon kommen weiterhin jeden Monat eine bereits unübersehbare Anzahl an Neuerscheinungen auf dem Markt, egal ob für Konsolen, PCs oder als Download für das iPhone. Wer braucht dann noch eine Fortsetzung einer sich damals schon nicht so gut verkauften Fortsetzung zum Vollpreis von 69,90 Euro ?

Welche Leute sind für Fehlentscheidungen wie z.B. das uDraw Tablet für PS3 und Xbox 360 verantwortlich ? Muss sich heute ein System über 50 Millionen mal Weltweit verkaufen um nicht als Flop bezeichnet zu werden ?

Und gemessen an den Schrott, der in den letzten Jahren für Wii und DS erschienen ist (den Herr Yamauchi in seiner Amtszeit möglicherweise nicht genehmigt hätte), ist es nicht verwunderlich das die Kunden spätestens nach dem zweiten Fehlkauf die Schnauze voll haben.

Fakt ist schlicht und einfach, das sich die Industrie wieder mit weniger Hard- und Softwareverkäufen zufrieden geben muss. Die großen Zeiten, wo sich alles verkaufen lässt ohne einen Finger krumm zu machen sind jedenfalls vorbei…

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Kommentare
  1. SiENcE sagt:

    Gut analysiert. Jedoch glaub ich nicht, dass Dein Fazit stimmt.

    Ich denke einfach, der Markt wird durch die Stores, Mobiles, Indiegames/Portale und und und einfach breitgfächerter. Mittlerweile kann man Angry Birds direkt auf nem Fernseher kaufen und spielen. Man sehe sich nur mal einen LudumDare Wettbewerb an, an dem an einem Wochenende 700 neue Spiele entstehen. Es gibt schon genug Spiele damit um sein ganzen Leben nix anderes mehr zu machen.

    Es wird einfach nicht mehr DIE großen Spieleblockbuster Serien geben. Es gibt viel. noch 10 oder 20 Blockbuster im Jahr. Der Rest muss sich mit weniger zufrieden geben und mit seinem Geld haushalten.

    Das ist ja das schöne an digitalen Spielen. Es werden immer mehr. Die Zahl nimmt einfach niemals ab :-).

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