Framemeister XRGB-mini

Veröffentlicht: 24. Januar 2012 in Videogames

Während Sony am 17. Dezember die PS Vita in Japan eingeführt hat, erschien fast gleichzeitig ein sehr interessantes Gerät auf dem Zubehörmarkt, das bisher nahezu unbeachtet wurde.

Die Rede ist vom Framemeister XRGB-mini von der Firma Micomsoft. Fast 14 Monate nach der Ankündigung ist die vierte Generation der XRGB Up-Scaler endlich erschienen und soll der Konkurrenz Dvdo und Co. das fürchten lehren, zumindest wenn es um das verarbeiten von (Videospiel)Grafiken geht. Schließlich wurden die Videoprozessoren ursprünglich für Filmmaterial entwickelt, auch wenn sich in den Geräten ein oder mehrere Game Mode befindet.

Ersteindruck:
In der Abmessung wie zwei übereinander gestapelte DVD Hüllen ist das Gerät relativ klein geworden. Leider macht das billige verarbeitete Gehäuse (z.B. leicht schief eingebaute Chinch Buchsen neben der Mini Delta Ribbon Buchse) sowie die spärliche Ausstattung im Lieferumfang keinen guten Eindruck. Aber was zählt sind die inneren Werte und nicht die Schönheit.

Die Elektronik:
Die Besonderheit an diesem kleinen Gerät liegt an den sog. Marvell QDEO Kyoto G2 Prozessor, der sich nur in sündhaft teuren High-End DVD- und BluRay Playern befindet. Mit dem sollen alle Bilddarstellungs- und Anschlußprobleme der 8- und 16 Bit Videospielkonsolen sowie Automatenplatinen an einen modernen Flachbildfernseher behoben werden, die keinen analogen VGA Eingang mehr haben.

Angeschlossen und getestet:

Bildvergleich: NES und N64 jeweils über RGB

Vorausgesetzt der Framemeister ist richtig für die Signalquelle und den angeschlossenen Display eingestellt – was jede Menge Zeit und Geduld beansprucht – holt er doch noch einiges aus den alten Konsolen raus.

Vor allem beim Nintendo Wii, deren Qualität des YUV Signal nur mäßig ist, erscheint mit dem Framemeister zum neuen Glanz. Ebenfalls liefert er beim Nintendo 64 ein gestochen scharfes Bild. Damit ist die Konsole erstmals überhaupt vernünftig an einem Flachbildfernseher nutzbar.

Unter anderen kann das Bild mit den Horizontalen- und Vertikalen Scaler Einstellungen optimiert werden, allerdings ist das von der Signalquelle abhängig. Stellt man die Regler nicht korrekt ein, ist das Bild entweder zu kantig oder es entstehen Doppelkonturen (Ringing). Weiterhin können Scanlines jetzt auch bei HD-Ready Fernsehern mit Panels der Auflösung 1360×768 korrekt dargestellt werden, wenn auch mit einen etwas kleineren Bild.

Probleme und Inkompatibilitäten:
Beim testen des Framemeisters gab es jedoch zwei Probleme, von dem zumindest eines davon inzwischen umgangen werden kann. Einige Videospielsysteme z.B. bestimmte Serien des Super Nintendo oder die NEC PC-Engine benötigen einen Sync-Separator, um Bildunterbrechungen zu eliminieren, da der RGB Eingang des Framemeisters nicht mit allen Signalen zur Synchronisation kompatibel ist. Außerdem ist der RGB-Eingang zur Zeit nur für 60 Hz Signale kompatibel, obwohl es der Prozessor eigentlich kann und nur durch ein Firmwareupdate freigeschaltet werden müsste.

Ein anderes Problem gibt es, wenn eine Playstation 2 über YUV angeschlossen wird, wo es bei dunklen bzw. grauen Flächen ein leichtes Farbrauschen zu sehen ist. Man kann aber davon ausgehen, das Micomsoft mit einen Update den LPF (ähnlich wie beim XRGB-3) integrieren wird.

Update November 2013: Inzwischen sind die größten Bugs via Firmware Update behoben – Der Sync-Level für den RGB Eingang kann jetzt manuell eingestellt werden (kein externer Syncseparator notwendig) und ist 50 Hz (PAL) kompatibel.

Bildqualität bei Gamecube, Wii und PS2 (über das Komponentenkabel in 480i):

Bildvergleich: PS2 via YUV mit Spiel Densha de Go Final auf dem Framemeister

Wenn es um die Bildschärfe geht, kommt der Framemeister nicht ganz an den Dvdo VP20 ran, was unter anderen daran liegt, das der Schärfenregler unbrauchbar ist. Der Framemeister macht also bei der PS2 und Nintendo Wii das schönere aber leicht unschärfere bzw. softere Bild, während der Dvdo VP20 eine leicht schärfere Darstellung bietet, dafür aber ein minimales Ringing (Heiligenscheine) im Bild zu sehen ist. Insgesamt haben beide Geräte ihre Vor- und Nachteile.

Mit alten Videospielkonsolen (240p Niedrigauflösung) ist das Bild bestens – Besser geht es nun wirklich nicht mehr. Zudem wird die Bild(Signal)quelle extrem schnell berechnet – Ideal für Shoot`em Ups

Fazit:
Der Framemeister XRGB-mini ist mit über 400 Euro der mit Abstand teuerste Upscaler für alte 8 und 16-Bit Videospielsysteme, aber auch der beste. Im Gegensatz zum XRGB-3 entfallen hier die AFC, LPF und Dot by Dot Einstellungen, die je nach Signalquelle ggf. manuell nachgeregelt werden müssen.

Wer grundsätzlich nur ältere Videospielkonsolen über einen Up-Scaler nutzen möchte und ansonsten mit der Bildqualität von aktuelleren Systemen über das Komponentenkabel direkt am Fernseher zufrieden ist, sollte vorher die Finanzen durchrechnen ob es sich überhaupt rentiert. Der XRGB2(plus) oder XRGB-3 sind nach wie vor gute Geräte für alte Konsolen und da noch nicht alle Bugs des Framemeister behoben sind, muss ein Umstieg gut überlegt sein.

***** Alternativen***** :
Externe Videoprozessoren gibt es inzwischen von vielen Herstellern und zwischenzeitlich einige davon auf dem Gebrauchtmarkt für wenig Geld. Da inzwischen die neuere Generation der Flachbildfernseher bei aktuelleren (noch nicht HD-Fähigen) Konsolen z.B. der PlayStation 2 ein gutes Bild über das Komponentenkabel hinbringen, muss man sich gut überlegen ob sich ein externer Scaler überhaupt rentiert, wenn man keine älteren Konsolen besitzt. Leider sind viele Videoprozessoren generell für Spielkonsolen ungeeignet. Das fängt mit dem Input Lag an und hört beim Preis auf.

Meine Meinung dazu: Wer nicht unbedingt nach Fliegendreck im Bild sucht und einen gescheiten TV besitzt, kann sich den Kauf eigentlich sparen (bezogen auf GameCube, Xbox, Wii und PlayStation 2 via YUV).

Micomsoft XRGB-3:
Vorgänger des Framemeisters ohne HDMI Ausgang und etwas komplizierter zu bedienen. Nach wie vor Ideal für alte Konsolen.

Iscan HD:
Der Iscan HD war mein erstes Gerät und hatte etwa ein Jahr gute Dienste erledigt, allerdings stellte sich die Frage nach dem Sinn und Nutzen. Für alte Konsolen ist das Gerät ungeeignet (schiefe Zeilen) und neuere Systeme sehen über YUV direkt am Fernseher fast genauso gut oder sogar besser aus, dass sich die Anschaffung wegen der minimalen Detailverbesserung nicht rechtfertigt. Wer eine PS2 oder Wii am Monitor betreiben will, ist das Gerät aber allemal noch gut.

Iscan VP20*/VP30.
Der Iscan VP20*/30 bietet im Gegensatz zum älteren Iscan HD ein schärferes Bild. Keine Bildstörungen bei dunklen Spielen (z.B. Resident Evil Remake) und Doppelkonturen (Ringing) muss man schon mit der Lupe suchen. Wer das Gerät gebraucht günstig findet sollte zuschlagen, allerdings ist man darauf achten, das eine ABT-Karte mit eingebaut ist um spezielle Game Mode (für 240p) nutzen zu können. Der 240p Modus für alte Konsolen ist zwar nicht ganz so gut wie bei den Micomsoft Geräten, wem das minimale Bildflimmern nicht stört, macht hier nichts falsch.

Bildvergleich: PS2 via YUV mit Spiel Densha de Go Final auf dem VP20

(*bis auf dem fehlenden VGA Ein-und Ausgang mit den VP30 identisch)

DVDO Edge:
Für den Consumer Markt zugeschnitten ist der Edge eine abgespeckte Variante des VP50 bzw. VP50pro. Für Filmmaterial ein sehr gutes Gerät, für Videospielkonsolen wurden die Firmwareupdates leider vernachlässigt. Schade eigentlich, denn mit ein wenig Anstrengung seitens des Herstellers könnte sich das Gerät zu einer weiteren Alternative zum Framemeister entwickeln. Vielleicht ändert sich diesbezüglich was beim erst kürzlich erschienenen Edge Green.

HD Box Pro:
Hierbei handelt es sich um einen günstigen Adapter aus China. Die Bildqualität ist mäßig, besonders bei roter Farbe gibt es Farbausblutungen. Bei dunklen Flächen viel Farbrauschen. Das Komponentensignal kann selbst ein 5 Jahre alter Orion LCD besser verarbeiten.

Ähnliche Versionen mit RGB Eingang und ohne Gehäuse sollen angeblich besser sein und sind vor allem mit der Kombination eines Scanline Generator sehr beliebt. Da ich so ein Gerät bisher noch nicht gesehen habe, kann auch keine Meinung dazu gebildet werden.

Vdigi VGA Kabel:

Bildvergleich: Waverace Bluestorm (Gamecube) auf Wii via Vdigi VGA Kabel

Hierbei handelt es sich um einen YUV auf VGA Wandler speziell für die Wii. Die Qualität des Farbtranscoders ist durchschnittlich, aber zum anschließen der Wii an einen Monitor ein sehr praktisches Zubehör und ist der HD Box Pro vorzuziehen.

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Kommentare
  1. Andy sagt:

    Da hat man auch den zwar betagten aber bislang im Preis-Leistungsverhältnis unschlagbaren Konverter von Conrad übersehen …
    Grantech Video Konsole II
    Kein RGB, aber zaubert aus einem Composite und S-Video Bild ein „Bild für Götter“
    Die genannte „HD Box Pro“ und Verwandte sind nicht mal das Recycling wert.

    • mbrandel sagt:

      Danke für den Hinweis. Der Converter ist aber ohne YUV und/oder RGB Eingang völlig uninteressant. Werde Ihn trotzdem testen, wie gut er ein Composite und S-Video Bild darstellen kann, nur ist er bei Conrad nicht mehr lieferbar.

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