Kostenpflichtige Zusatzinhalte aka DLC

Veröffentlicht: 20. November 2010 in Videogames

Als Sega vor mehr als 10 Jahren mit dem Dreamcast die Onlinefunktion bei einer Videospielkonsole in Deutschland eingeführt hatte, war sie technisch gesehen eher schlecht als Recht. Das in Europa mitgelieferte 33k Modem war schon damals zu langsam und der mitgelieferte Browser wählte sich nur über Viag Interkom ein, was schnell zur einer teuren Telefonrechnung führte. Inzwischen hat sich das Problem durch die weite Verbreitung von DSL von selbst erledigt. Heute sind Videospielkonsolen mit Internetverbindung nicht mehr wegzudenken. Es entstanden neue Spielkonzepte mit Onlinefunktion, die vor ein paar Jahren nicht möglich waren.

Die Onlinefunktion nutzen die Publisher nämlich auch sehr gerne um Geld damit zu verdienen. Welche Firma freut sich nicht über ein paar zusätzliche Einnahmequellen, vor allem wenn die Entwicklungskosten aktueller Spiele in die Höhe steigen ?

Bei vielen Spielen werden inzwischen Zusatzinhalte gegen ein Entgelt als Download angeboten. Zunächst ist das keine schlechte Idee dass man für ein paar Euro mehr den ein oder anderen Spielabschnitt dazubekommt, denn bei Street Fighter 2 Turbo für das Super Nintendo war der Unterschied zum Original nicht mal erwähnenswert. Hier musste man damals für eine minimale Erweiterung das komplette Spiel nochmals zum Vollpreis kaufen.

Gebe es jetzt nicht das große „Aber“, dann würde so manch einer meinen ich wüsste nicht was ich in meinen Blog schreiben sollte. Kommen wir auf den Punkt:

Oft werden in letzter Zeit bewusst halbfertige Spiele in den Handel ausgeliefert um später, und da halte ich mir kein Blatt vor dem Mund, nachträglich mit den Zusatzinhalten abzuzocken. Die zwei übersprungenen Kapitel 12 und 13 bei Assassin`s Creed 2 von Ubisoft ist nur ein Beispiel. Denn wenn schon einige Monate vor dem Release angekündigt wird, das für Spiel XY ein kostenpflichtiger DLC geplant ist, dann ist das schon ziemlich dreist, besonders bei „Day One“ Inhalten, die ohnehin schon im Spiel enthalten sind und nur noch freigeschaltet werden.

Nehmen wir als Rechnung mal Red Dead Redemption von Rockstar: Im Handel kostete das Spiel zum Release knapp 60 Euro und liegt in einer normalen Preisklasse aktueller Neuerscheinungen. Wer aber alle Inhalte möchte, der muss zusätzlich noch ca. 40 Euro nachzahlen und bezahlt am Ende knapp 100 Euro für das komplette Spiel. Ein sehr teurer Spaß. Wenn die Zusatzinhalte unabhängig vom Hauptspiel sind und erst ein paar Monaten später erscheinen sieht es zunächst anders aus. Ob man dann das Gefühl hat, ein unfertiges oder gekürztes Spiel vor sich hat, liegt im Sinne des Betrachters.

So kostet beim japanischen Death Smiles oder Mushihimesama Futari 1.5 das Black Label (vergleichbar wie der Director`s Cut bei Filmen) jeweils 1200 MS Punkte und waren sowohl einige Wochen zuvor angekündigt, als auch kurz nach Release verfügbar. Was ich persönlich als eine Unverschämtheit finde, wird von Besitzern der teuren Automatenplatinen wieder ganz anders gesehen. Das Argument, das man den Black Label zu einem Bruchteil des Preises der Platine erwirbt (die man normalerweise nochmals zum Vollpreis kaufen musste) zählt nur bei Sammlern mit dicker Brieftasche.

Abwertung ?

Hier ist allerdings die Fachpresse gefragt. Bei solchen Fällen sollte man die Spiele entsprechend abwerten, wenn sie bewusst unfertig in den Handel ausgeliefert werden. Der CEO von Codemasters hatte sich letztens auch dazu unmissverständlich geäußert. So möchte man etwa ein Formel 1 Spiel mit den halben Umfang ausliefern, den Rest per Download zum nachkaufen. Bei einer Bewertung von etwa 90% für das komplette Spiel dürfte die Fachpresse die in Handel erhältliche Verkaufsversion normalerweise nur mit 45% bewerten.

Sicher können die Publisher Ihre Spiele so gestalten wie sie wollen. Ein negativer Beigeschmack bleibt einfach und inzwischen hat sich das Kaufverhalten geändert. Man kauft sich das Spiel nicht mehr zum Release und wartet ab bis der Preis um die Hälfte fällt und kauft sich den Inhalt später hinzu oder wartet gleich auf die „Gold“-Version mit allen Inhalten.

Letztendlich ist der Sinn oder Unsinn vom kostenpflichtigen Zusatzinhalte persönliche Ansichtssache. Das man die gekauften Zusatzinhalte nicht mitverkaufen kann wenn man sein eigentliches Spiel weiterverkauft, ist ein erheblicher Nachteil…und der Gebrauchtspieleverkauf ein anderes Thema.

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