Gameshopping in Japan

Veröffentlicht: 1. April 2007 in Retrogames

In Japan ist alles ein wenig anders als in Deutschland. Die Züge sind sehr sauber und pünktlich. Bei McDonalds sind mehr Eiswürfel als Getränk im Becher und in einigen Fast Food Reislokalen muss man zuerst wie am Fahrkartenautomaten das gewünschte Menü auswählen und mit der Karte bekommt man erst dann das Essen. Für Videospieler die sich seit mindestens 15 Jahre damit beschäftigen und auch was anderes außer Playstation und Xbox kennen ist Japan mit den Recycling- und 2nd Hand Gameshops durchaus eine Reise wert.

Das Angebot mit einer großen Auswahl bietet beispielsweise Kaettekita Mario Bros. (Famicom Disk Writer only), Recca – Summer Carnival`92 (Famicom), Bomberman 64 (in 2D von 2001, nicht zu verwechseln mit den europäischen Bomberman 64 von 1997) oder Darius Alpha (PCE). Auch unbenutzte sealed Exemplare von Zanac X Zanac (PSone), Radiant Silvergun (SAT) oder Dracula X (PCE) habe ich dieses Jahr gesehen. Alles bekommt man aber auch in Japan nicht bei jeden Trip.

Die „Used Game Shops“ in Japan haben eine unterschiedliche Verkaufspolitik. Bei den meißten Läden geht inzwischen das Sortiment erst ab der ersten Playstation los. Media Land in Akihabara setzt inzwischen auf Qualität statt Quantität und hatten vor gut 2-3 Jahren die Auswahl erheblich eingeschränkt. Dafür sehen selbst die wenigen 20 Jahre alten Famicom Spiele wie Neu aus. Super Potato in Osaka ist den Retro Systemen treu geblieben und haben die Filiale in Akihabara mit einer kleinen Spielhalle sogar erheblich aufgestockt. Viel Hardware, aber auch oft in keinen guten Zustand und im Gegensatz zu der Behauptung auf der Gamepro DVD eine Apotheke und oft mehr als 20% teurer als in anderen Läden.

Bei den Preisen gibt es schon erhebliche Unterschiede. Wer schon mal in Akihabara war hat sicherlich auch die Erfahrung gemacht, dass man ein Spiel nachdem man es gekauft hat, woanders dann noch viel günstiger sieht. Bei Hardware kann man aber die Shops definitiv nicht mehr empfehlen, denn die bekommt man schon lange nicht mehr zu einem vernünftigen Preis.

Wer meint, Akihabara ist die einzige Anlaufstelle für alte Spiele, der irrt sich. Die Auswahl an z.B. Super Famicom Spielen ist zwar für uns Europäer immer noch groß, aber bei weiten nicht mehr so gigantisch wie früher. Das hat u.a. sicher auch an den wachsenden Onlineangebot zu tun und das derzeit einige abgerissene Gebäude an der Hauptstrasse erneut gebaut werden und folglich vorübergehend weniger Verkaufsfläche vorhanden ist. Dafür hat man aber insgesamt immer noch genügend Auswahl wenn man auch zu anderen Gegenden wie z.B. Den Den Town in Osaka fährt.

In Osaka gibt es neben den bereits erwähnten Super Potato auch noch Big Tiger, A-Too oder Retro Tv Game Revival, der den Fußboden mit Screenshots aus Famicom Spielen ausgelegt hat. Grundsätzlich könnte man sagen, dass die Auswahl bei alten Systemen in Den Den Town größer ist als in Akihabara, dafür ist der Zustand nicht immer der beste.

Natürlich bekommt man nach wie vor in Akihabara auch sehr billige Spiele. Gerade bei Restpostenverkäufe kann man schon sehr gute Schnäppchen machen. Beispielsweise gab es Zelda the Windwaker (Gamecube) bereits 2 Monate nach erscheinen schon für 2500 Yen nachgeschmissen oder zum ende der Dreamcast Ära wurden 5 Spiele im Bundle für 1000 Yen verramscht. Dieses Jahr gab es einige Teile der GBA Bit Generations für 980 Yen, Metroid Zero Mission für 790 Yen oder Dino Crisis 2 für die PSone für 180 Yen. Alle paar Wochen gibt es andere Sonderangebote und wenn man zum richtigen Zeitpunkt vor Ort ist bekommt man einige Highlights der aktuellen Systeme zum niedrigen Preis solange der Vorrat reicht.

Auch in Tokyo selbst gibt es in anderen Stadtteilen noch gute Gameshops mit Spiele für alte Systeme. Nur muss man wissen wo sie sind und da hatte ich selbst schon erhebliche Probleme dabei gehabt, zumindest ein paar davon ausfindig zu machen. Meistens geben andere Sammler die sich auch auskennen die Adressen der Shops nicht her, was für mich (wenn überhaupt) aber nur aus zwei wesentlichen Gründen nachvollziehbar wäre.

Aufgrund einer Reportage auf Jamie-Sam.Livejournal habe ich mich entschlossen, den gigantisch großen Gameshop Tougane Kanteidan in Gumyo zu besuchen. Der Shop ist mit über 2 Stunden Fahrzeit und 30 Minuten zu Fuß von Tokyo entfernt. Wenn man nicht aufpasst und zu früh aussteigt weil man meint, man müsste in dieser Station umsteigen, kann wegen der schlechten Zugverbindung eine Stunde auf dem nächsten Zug warten, so wie mir das in Oami passiert ist.

In Gumyo angekommen geht man am Bahnhof die Treppen rauf zur linken Seite wo die Uhr steht. Nachdem man zuerst durch ein relativ ruhiges und verlassenes Wohngebiet durchgegangen ist wo kaum Menschen zu sehen sind, kommt man auf einer großen Bundesstrasse wo man nach rechts entlang geht. Als ich dann den Shop endlich gefunden hatte, staunte ich nicht schlecht dass an der Wand sowie in den Stellregalen tausende von Famicom und Super Famicom Spiele hingen. Mit einer großen Leiter hatte ich dann an die oberen Spiele Zugriff und verbrachte eine gute Zeit alleine zum durchstöbern der Originalverpackten Super Famicom Spiele. Meine Erwartung an diesen Shop war ziemlich hoch aber leider gab es in der großen Menge an Spielen oft nur 08/15 Standard Titel, zudem die meißten Spiele in keinen guten Zustand oder nur lose sind und oft teurer als in Akiba. Von den 8 Spielen die ich dort gekauft hatte, gab es 3 davon tatsächlich nur in diesen Laden. Die anderen Spiele hatte ich mir nur gekauft weil ich sie für relativ günstig gehalten habe (und am nächsten Tag woanders auch gut die hälfte davon in einen viel besseren Zustand noch günstiger gesehen hatte). Wenn man die Anfahrtszeiten im Kauf nimmt, kann man durchaus einmal dort hinfahren, denn gesehen sollte man den Shop eigentlich schon einmal. Für Sammler ist er aber keine direkte Empfehlung, da das Sortiment für mich größtenteils uninteressant war und die besonderen Spiele oder Raritäten man dann doch eher in Tokyo oder Osaka bekommt.

In Zeiten vom Internet und das inzwischen einige Japaner oder in Japan lebende Europäer gleich schon Direkt aus verschicken, ist es auch eine andere Möglichkeit sowohl an alten als auch aktuellen Titeln heranzukommen. Inzwischen ist es keine Ausnahme, dass einige japanische Spiele auf eBay untern Japan-Preis weggehen. Das war aber bei vereinzelten Titeln wie z.B. Musha Aleste schon immer so gewesen. Trotzdem denke ich, wenn man vorab gut einplant und die Preise vergleicht, dass es sich nach wie vor bei etwa der hälfte des Angebots trotzdem lohnt. Je nachdem was man haben will, ist das kaufen in einen Shop vielleicht doch die bessere Wahl um sich z.B. selbst überzeugen zu können ein komplettes Exemplar im einwandfreien Zustand zu erhalten als sich bei eBay durch das kaufen von mehreren Exemplaren die oft nicht der Artikelbeschreibung entsprechen zu ärgern. Besonders bei hochwertigen PC-Engine- oder Famicom Spielen bevorzuge ich generell die japanischen Used Gameshops und man bekommt diese auch noch in einen viel besseren Zustand.

Ein wesentlicher Punkt ist aber zu beachten, das man alles was man dort kauft auch irgendwie nach Hause bringen muss und noch Zollgebühren anfallen. Da gibt es schon mal das Problem nicht alle Spiele und noch die eigene Wäsche im Koffer oder Handgepäck mitzunehmen. Der Rest muss verschickt werden und da sind 20 000 Yen für ein Paket keine Seltenheit. Man sollte also nicht einfach unüberlegt irgendetwas kaufen was billig ist.

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