Defekte Xbox 360 Spielekonsolen und die Garantie

Veröffentlicht: 10. Dezember 2006 in Videogames

„Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“. Diesen Spruch musste ich mir von meinen Eltern öfters mal anhören, daß es sinnvoll ist fürs spätere Leben Geld zu sparen. In der Tat ist an diesen Spruch ja auch nichts falsch. Microsoft hat von diesem Spruch wohl auch Kenntnis genommen, setzte es in der Praxis aber falsch um. Bei der hohen Ausfallquote der Xbox360 könnte man eher meinen: „Spare in der Zeit, dann gerätst Du in Not“. Tatsächlich hat Microsoft bezüglich Qualitätssicherung, Verarbeitung und Materialien am falschen Ende gespart.

Glaubt man den Handel, wurden inzwischen gute 50-60% der verkauften Xbox360 Konsolen ausgetauscht. Gerade Geräte älterer Baureihe sind davon sehr stark betroffen, aber auch jüngere Geräte sind nicht gerade perfekt verarbeitet.

Ob es an der scheinbar falschen Analyse der Wärmeleitfolie beim Grafikprozessor liegt oder an kalte Lötstellen durch schlechtes Lötzinn, es interessiert den Käufer der Konsole erstmals nicht. Denn der stellt das Problem einfach vor der Haustür des Herstellers ab und erwartet eine kostenlose Nachbesserung innerhalb der Garantiezeit. Und einen Garantieanspruch gibt Microsoft nur dem Erstkäufer. Eine Praxis, die Mitbewerber Sony und Nintendo bisher nicht angewendet haben. So geschehen in einen Fall, wo jemand sich eine 2nd Hand Xbox360 gekauft hat und der Vorbesitzer das Gerät schon einmal beim Hersteller zum Reparaturaustausch hatte. Pech für den Käufer, denn das Gerät hatte zwar noch eine Restlaufzeit der Garantie, war aber beim Hersteller schon registriert und eine kostenlose Reparatur wurde verweigert. Den Ärger des Käufers kann man sehr gut Nachvollziehen, schließlich hat er auch viel Geld in Spiele und den Xbox-Live Internetservice investiert.

Die Einschränkung der Garantieansprüche seitens Microsoft finden Handel und Käufer unverständlich. Rechtens möglicherweise durchaus korrekt, aber gerade in diesen Punkt stellt sich die Frage, ob sich Microsoft beim Kunden beliebt macht. Insbesondere, weil es diese Firma scheinbar nicht juckt, das andere Händler für untreue Kunden Laufwerke für Kopien flashen und ehrliche Kunden die keine Kopien spielen, bei einen Garantiefall durch die Einschränkung im Stich lassen.

Nicht jeder hat das Geld unters Jahr parat, sich die Konsole mit den hohen Anschaffungskosten einfach mal so kaufen zu können. Bei einen günstigen und gut erhaltenen gebrauchten Gerät, das kaum im Betrieb war und noch ein paar Monate Restgarantie drauf hat, gibt es normalerweise keinen Grund der dagegen spricht. Schliesslich ist man mit einer gebrauchten Konsole auch ein guter Kunde, der in der Regel Geld für einen zweiten Controller, ein neues Spiel und den Xbox Live Internetservice ausgibt.

Andererseits ist die Frage, ob man in einigen Fällen von der Verbraucherschutzzentrale Recht bekommt. Dazu ein Beispiel: Man kauft sich per Versandhandel eine neue Xbox360, wo Name und Anschrift des Käufers auf der Rechnung steht. Das Gerät wird geliefert, man testet es einen Tag auf Funktion und registriert es versehentlich. Das Gerät geht am nächsten Tag per Post an Bekannte als Geschenk. Somit wäre die Garantielaufzeit nur einen Tag gegeben. Ob dann Microsoft die Garantieleistung überhaupt verweigern darf, ist mehr als fraglich wenn der Besitzer Rechtliche Schritte gegen den Hersteller unternimmt.

Auf längere Sichtweise scheißt man gut und gerne auf den Garantieservice von Microsoft. Der Käufer verlangt eine haltbare Konsole, denn wenn die Garantie erstmal abgelaufen ist, kommen hohe Reparaturkosten drauf zu. Das ist auch genau der Punkt, warum ich mir bisher keine Xbox360 gekauft habe.

Ich habe in meiner beruflichen Tätigkeit schon viel zum Thema “(Kosten-)Einsparungen um jeden Preis” am eigenen Leib miterlebt. Diese falschen Sparmassnahmen haben sich schon immer gerächt. Microsoft steht mit ihrer Sparpolitik ja nicht alleine da. Durch die nunmehr notwendige Austausch-Nachbesserung verliert Microsoft mehr Geld als sie durch die Sparmassnahmen bei der Konstruktion gespart haben. Von dem Imageverlust möchte ich gar nicht erst sprechen.

Ergänzung am 15. Juni 2009:

In der Vergangenheit musste Microsoft wegen Qualitätsmängel und eines Entwicklungsfehlers bei der Xbox360 über 1 Mrd. USD für Reparaturen der auf 3 Jahren erweiterten Garantie zurückstellen. Aufgrund der hohen Ausfallrate entschloss sich das Unternehmen erst vor kurzen, die Garantie auch auf den sog. E74-Fehler zu erweitern.

Mit der neuen Jasper Generation sollte das Problem eigentlich behoben sein. Doch scheinbar wurde zumindest im Qualitätsmanagement nicht viel geändert. Meine erst im März frisch aus Japan importierte Arcade Xbox360 (die Festplatte hatte ich in Deutschland bei Amazon gekauft) hatte vor kurzen zwei Fehler im Betrieb, die nach Anfragen in den I-Net Foren nicht normal sind, aber auch (noch ?) nicht mit den RRod/E74 Fehler zusammenhängen.

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