Sony gegen Lik-Sang

Veröffentlicht: 29. Oktober 2006 in Videogames

29. Oktober 2006: Vor ein paar Tagen hat Sony den Prozess gegen den in Hongkong ansässigen Exporthändler Lik-Sang.com gewonnen. Es ging hauptsächlich darum, daß Lik-Sang PSP Geräte vor den offiziellen Verkaufsstart in Europa nach England exportiert hatte. Das High Court in London gab Sony recht und war der Meinung, der Export ist illegal und verstöße gegen einige Urheberrechte von Sony.

Gleich zu Beginn des Streits zwischen Sony und Lik-Sang vor einen Jahr, hatte folglich ein anderer Exporthändler zum eigenen Schutz den Export von PSP Geräten und Spielen in die EU und einigen anderen Europäischen Ländern eingestellt. Lik-Sang hingegen hat trotz Warnungen von Sony, den Export von PSP Geräten zu unterlassen, zum Wohl seiner internationalen Kunden fröhlich weiter exportiert. Durch den verlorenen Prozess entschied sich Lik-Sang, den Onlineshop zu schliessen.

Über Sinn oder Unsinn eines Importverbots von amerikanischen/japanischen Spielen und Systemen nach Europa wird nicht seit ein paar Tagen diskutiert. Importe verursachen besonders bei den hier in Deutschland ansässigen Niederlassungen für viel Ärger. Die Firma Bienengräber beispielsweise, die vor der Gründung von Nintendo of Europe den Vertrieb von NES Produkten übernahm, ging 1989 Gerichtlich gegen den Händler CWM vor, der einen Adapter anbot, mit dem einige japanische NES Spiele auf deutschen Geräten lauffähig gemacht werden können. Importe von Sega waren hingegen nicht betroffen. Die hatten den Erfolg der gesamten Marke im Auge und weniger den Umsatz des deutschen Distributors Ariola, die ihren Hauptumsatz mit Schallplatten machten.

Durch das späte erscheinen des Super Nintendo in Deutschland hat sich hierzulande eine Importszene entwickelt. Es war nahezu selbstverständlich, das einige Fachhändler zügig nach erscheinen das gewünschte Importspiel anbieten konnte. Auch die PC-Engine war unter Hobbyspielern ein Geheimtip. Ein paar Jahre später erschienen die Sony Playstation und der Sega Saturn und wurden auch als Japan Import angeboten. Die Importhändler haben somit alleine durch die Präsentation eines Vorführgerätes im Laden die Playstation noch vor dem offiziellen Deutschlandstart populär gemacht, denn leisten konnten sich aufgrund den hohen Preises nur wenige das Gerät. Importverbote waren bis auf Ausnahme von N64 Spielen, die Nintendo auf Antrag vom Zoll beschlagnahmen lies, in dieser Zeit kein Thema. Erst zum Ende der 90er Jahre, als Sony und Konami Druck ausübte, verschwanden Importspiele von den meissten Fachgeschäften.

Der gewerbliche Verkauf von Importspielen ist in Deutschland illegal. Zudem hat die GVU einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet. Nur der Eigenimport war noch erlaubt. Wer Spiele aus dem Ausland in Mengen für seinen Eigengebrauch importierte, darf dies auch noch heute. Die Praxis des Eigenimports hatte sich in Laufe der Jahre bewährt. Anfängliche Ängste, das Vorausgelegte Geld zu verlieren ohne die gewünschte Ware zu bekommen, sind nach einem Probekauf schnell überwunden.

Die Argumente von Sony, man möchte die Importe verhindern um den Kunden zu schützen, lasse ich nicht gelten. Erstens hat das japanische PSP Netzteil eine CE-Kennzeichnung, zweitens weiss jeder der ein Gerät im Ausland bestellt, dass es Kompatibilitätsprobleme aufgrund der unterschiedlichen Normen und Regionalcodes gibt. Wer nicht warten kann und eine NTSC Konsole kauft, muss sich zudem den Risiko fehlender Garantie bewusst sein.

Importe sind, und das weiss auch Sony, normalerweise für einen vergleichsweise kleinen Teil der Videospieler und Sammler interessant. Besonders Liebhaber von RPGs, Puzzlespielen oder 2D-Arcadeshooter kommen an Importen oft nicht vorbei. Wer aber ein für den Videospielemarkt bedeutendes Handheld 9 Monate verspätet auf den Europäischen Markt bringt, kann im Zeitalter von Internet nicht ausschliessen, das durchaus auch die normale Kundschaft die Alternative eines Imports in Anspruch nimmt. Eine Firma, die vorab in großen Flächenmärkten den Kunden mit Vorbestellaktionen schlicht und ergreifend die kommende PS3 heiß macht und später dann den angepeilten Termin nicht einhalten kann, muss mit scharfer Kritik seitens der Vorbesteller rechnen. Das dann einige betroffene Kunden am überlegen sind, sich eine PS3 aus Japan oder Amerika zu importieren, ist nicht überraschend.

Durch das Gerichtsurteil gegen Lik-Sang könnte es demnächst tatsächlich schwieriger werden Importe zu bekommen wenn Sony gegen andere Shops vorgeht. Gerade durch die Tatsache, das es im Fall von Lik-Sang hauptsächlich um den Export von PSP Geräten geht, kann ich das vorgehen seitens Sony überhaupt nicht nachvollziehen. Schliesslich verdient Sony an den Verkauf von Geräten praktisch fast gar nichts. Den Umsatz macht das Unternehmen durch Verkauf von Spielen und Zubehör. Besitzer einer japanischen PSP sind durch die nicht vorhandene Länderabfrage auch Kunden von einheimischen Spielen. Selbst bei der PS3 wird laut Sony bei den meissten Spielen auf einen Regionalcode verzichtet und Besitzer einer importierten PS3 wäre für Sony Europe kein verlorener Kunde gewesen. Der wirtschaftliche Schaden, den Sony durch die importierten PSP Geräte entstanden ist, sind äußerst geringfügig im Vergleich zu dem Imageschaden, den das Unternehmen jetzt durch die Anti-Import Haltung und das vorgehen gegen Importeure entstanden ist. Zur Richtigstellung muss man aber hinzufügen, dass dieses mal ausnahmsweise SCE Deutschland unschuldig ist und für die ganze Sache allein Sony UK verantwortlich ist.

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